Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 602 (sequence 1)
- Language
- German
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602 Im deutschen Reich. Korrespondenzen. £»• Berlin, 15. November. Auf das an Seine Majestät den Kaiser von dem Verbände der Deutschen Juden gerichtete Huldigungs-Telegramm ist nachstehende Antwort aus dem Civilkabinett telegraphisch eingegangen: „Seine Majestät der Kaiser und König lasten der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden für den Ausdruck treuer Ergebenheit danken. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabineitsrat von Lucanus. Don antisemitischer Seite wird mit großer Befriedigung verkündet, daß die Tierschutz-Vereine die Agitation gegen das Schächten von neuem aufnehmen und eine amtliche Untersuchung von Reichs wegen unter Berücksichtigung der vollkommensten Tötungswerkzeuge der Gegenwart vorlegen wollen. Es sollen an alle Schlachthof- Direktoren,Schlachthof-Tierärzte,Bezirks-Tierärzte, an alle Universttäts- Profestoren der Physiologie, an sämtliche Profefforen der tierärztlichen Hochschulen und an alle Schlächter-Innungen Fragebogen versandt werden, welche die Kernpunkte zur Beurteilung der Schlachtweise durch Schächten enthalten. Auf Grund der Ergebniffe soll dann weiter vorgegangen werden. Auf diesem Gebiete der unter der Maske des Tierschutzes gegen eine religiöse Einrichtung des Judentums gerichteten Angriffe ist bereits das Menschenmöglichste geleistet worden, so daß zu tun kaum noch etwas übrig bleibt. In den Tierschutz- Vereinen glaubt man zu schieben und wird geschoben; aber religiöse Dinge sind nicht so leicht hinweg zu schieben, weil sie ein festes Bollwerk darstellen, deren Fortbestand auch solche wünschen und verteidigen zu müssen glauben, welche der betreffenden Religion nicht angehören, weil sie es für einen Fundamental-Satz halten, daß „dem Volke die Religion erhalten bleiben muß." Die Juden selbst werden dafür Sorge tragen, daß die auf der Grundlage echter Tierschutz- Bestrebungen ihnen gesetzlich gebotene rituelle Schlachtmethode, soweit dies der Ritus gestattet, mit verbesserten Einrichtungen versehen werde. Dazu gehört die rituell ausgeschloffene Betäubung aber keineswegs; sie ist auch aus fachmännischen und sanitären Gründen kaum empfehlenswert. Wir rechnen aber darauf mit Bestimmtheit, daß die für unzählige ihrer Bekenner eine schwere Gewissensbedrängnis