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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 600

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-11-01
Page
600 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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600 Im deutschen Reich. provocateurs sind im Lande und in Petersburg an der Arbeit, um anarchische Zustände zu schaffen, aus denen dem Zaren die Notwendigkeit eines Säbelregiments demonstriert werden soll. Obgleich die Oppositionsparteien gegen Witte mit größtem Mißtrauen erfüllt sind, bieten sie alles auf, um die Jntrigue der Reaktionäre zu vereiteln." Von anderer Seite wird berichtet: „In vielen Städten ist es zum Einschreiten des Militärs gekommen, wobei es Tote und Verwundete gab, so vornehmlich in Kaluga, Grodno, Rybintk, Twer, Minsk, Kmgan, Bjelostok, Baku und Sewastopol. In einigen Städten ereigneten sich auch Zusammenstöße zwischen Angehörigen verschiedener politischer Parteien. Die gegen die Juden gerichteten Unruhen in Njeshin, Witebsk, Romny, Kiew, Wilna, Elisabethgrad und namentlich Odessa dauern fort, wo unter der großen Zahl der Verwundeten verkleidete Polizisten erkannt wurden. Die Ruhestörungen führten wie bisher regelmäßig zur Plünderung und Inbrandsetzung der Läden der Juden und Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung, von der viele getötet und verwundet wurden. In Saratow ist die Synagoge angezündet worden. In Minsk fanden zahlreiche Beerdigungen von Leuten statt, die den letzten Unruhen zum Opfer gefallen sind. Auf dem israelitischen Friedhof lagen 54 Leichname. In Reval hielten sich dieser Tage ungefähr 30 000 Personen Stunden lang an der Stelle auf, wo die von den Truppen erjchoffenen Teilnehmer an den Kundgebungen gefallen waren. Die Menge sang Trauergesänge; die Straßenlaternen und die Häuser waren schwarz verhängt und trugen unzählige Trauerkränze. An den Fenstern brannten Kerzen. Der Trauerzug erstreckte sich aus mehrere Kilometer. Die Stadt Odeffa glich in den letzten Tagen einem Kriegslager. Von den Studenten wurden 200 Mann des Pöbels gefangen genommen und in der Universität eingesperrt. Auch die Berichte von amtlicher russischer Stelle bestätigen, was in privaten Meldungen enthalten war. Die russischen Behörden haben direkt und indirekt die Pöbelexzesie begünstigt; der Polizeimeister von Odessa soll sogar das Gesindel mit Waffen und Munition versehen haben. Nirgends ließ sich Polizei zum Schutz der Wehrlosen sehen, bis die Bürgerschaft einen Selbstschutz organisierte, der kräftig eingriff. Fast sämtliche jüdische Geschäfte sind demoliert und ausgeraubt. Die Opfer an Toten und Verwundeten zählen nach Tausenden. Die Schreckensszenen, die sich abgespielt haben, sind nicht zu beschreiben. Kinder und Frauen wurden erwürgt und Hunderte von ihnen lebendig von hohen Häusern aus den Fenstern geworfen. Der Pöbel folterte die Opfer zu Tode, indem er ihnen Nägel in die Köpfe schlug, die Augen ausdrückte, die

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