Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 598 (sequence 11)
- Language
- German
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<jyö oemscyen metaj. hat keinen einzigen ihrer Kandidaten durchgebracht. Das ist ein Glück für Berlin, denn wo die Antisemiten in die kommunalen Verwaltungen eindringen, überwuchert in diesen das Parteiinterefse sehr bald und gibt den Ausschlag, der den Städten nicht zur Zierde, sondern zum Unheil gereicht und erst nach Jahren wieder geheilt werden kann. Hätten die freisinnigen Bürgerder Großstädte der österreichischen Monarchie in dieser Beziehung rechtzeitig ihre Pflicht getan, so stünde es dort besser um Land und Leute, um Herrscher undVolk, und österreichische Behörden hätten in den letzten Tagen nicht nötig gehabt, in Wien «nd Prag gegen die Urheber von stürmischen Wahlrechts-Kundgebungen Waffengewalt gebrauchen zu laffen. Die Zustände jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle sind von einem unparteiischen Beobachter, dem früheren britischen Botschafter am Wiener Hofe, Sir Horace Rumbold, in einer kürzlich erschienenen Schrift „Aus den Erinnerungen eines Diplomaten" treffend geschildert worden. Was dieser überaus scharfsinnige Staatsmann sagt, sollte und wird wahrscheinlich nicht nur in Oesterreich, sondern auch anderwärts von maßgebender Seite beherzigt werden. Er urteilt wie folgt: »Der Antisemitismus ist eines der ernstesten Uebel, an denen das öffentliche Leben in Oesterreich leidet, und es gibt in Wien keinen verderblicheren Einfluß als den des bigotten und herrschsüchtigen Bürgermeisters vr. Lueger, der unglücklicherweise die fließende rhetorische Macht eines geborenen Demagogen besitzt. Der Wahnsinn seines leidenschaftlichen Kreuzzuges gegen die Juden ist durch die verheerenden wirtschaftlichen Resultate, die er zur Folge hatte, rasch offenkundig geworden. Die österreichische Regierung tut wohlweislich ihr Bestes, um den Antisemitismus im Zaume zu halten, dem sich auch der Kaiser stark widersetzt, da er denselben ganz richtig für unsittlich und gefährlich hält." Mit richtigem Blick hat Sir Rumbold auch vorausgesehen, daß die rückhaltlose Antisemitenwirtschaft diesseits der Leitha notwendig dazu führen würde, dem fortschrittlichen Regiment jenseits der Leitha ein Uebergewicht zu verschaffen, das dem Deutschtum zum größten Nachteil gereicht. Er sagt: „Die Angelegenheiten haben in den letzten Jahren eine große Veränderung durchgemacht, und die jetzige Perspektive muß jedem aufrichtigen Freunde der österreichisch-ungarischen Monarchie tiefen Kummer bereiten. In jenen Fragen, die die nationalen Aspirationen und die Eigenliebe begünstigen können, kennt die ungarische Race keine