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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 595

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-11-01
Page
595 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 595 Aufschwunges der Technik und des Verkehrs und so der Wertsteigerung des Bodens erfreut, die damit Hand in Hand geht, denkt: „Was geht es mich an? Eine Hand wäscht die andere. Jeder sehe wo er bleibe. Der arme Jude will auch leben" usw. ad infinitum." In Charlottenburg hat in einer dieser Tage veranstalteten Versammlung Herr- Haus von Mosch dasselbe Register gezogen und in einem Vortrage über das Thema „Judentum und Mittelstandsbewegung" sich wie folgt geäußert: „Was würden wohl unsere Vorfahren, die alten Germanen sagen, wenn sie aus den Gräbern erstehen und schauen müßten, wie die Millionen Söhne und Töchter unseres Volkes dem orientalischen Fremdvolk srohnden, dafür noch die Hand des jüdischen Frohnvogtes küffen und unserm herrlichen Herrscherhause der Hohenzollern auf Befehl des Judentums die Absage erteilen! Die Mittelstandsbewegung könne nur dann etwas wirklich Positives erreichen, wenn sie sich völlig frei von jeder jüdischen Mitarbeit halte. Ein jüdischer Kommerzienrat in der Mittelstandsbewegung kommt uns so vor, wie der Fuchs, der die Enten beschleicht. Das Fernbleiben des Judentums aus der Mittelstandsbewegung sollte eigentlich selbstverständlich sein; denn die antisemitischen Agitatoren aller Richtungen seien die bahnbrechenden Vorkämpfer des Mittelstandsgedankens gewesen." Die Art, wie die Antisemiten diese Bewegung für ihre Zwecke ausbeuten, erklärt das Fernbleiben der meisten Juden ebenso wie die Anrufung der „alten Germanen", die vielleicht über das „orientalische Fremdenvolk" weniger entrüstet sein würden, als darüber, daß jemand, der „Mosch" heißt und trotzdem Antisemit ist, sie als „seine Vorfahren" reklamiert, ohne daß sie von ihm dafür den Nachweis erlangen können und selbst H. S. Chamberlain als antisemitischer Rassentheoretiker dabei die erforderlichen Rassenmerkmale entdecken könnte. Durch die aufreizenden Reden der Antisemiten vom Schlage „Ottomar Beta und Hans von Mosch" verblaffen beinahe die nach polizeilicher Ansicht von dem Grafen Pückler nur „bildlich gemeinten" Aufforderungen zu Gewalttätigkeiten. Mit Wilhelm Bruhn hat er sich wieder ausgesöhnt, da er mit diesem das Schicksal teilt, aus dem antisemitischen Artushofe der „Staatsbürger- Zeitung" ausgeschlossen zu sein. Daß er für ein Blatt nicht mehr schwärmen und werben kann, das es den badischen Nationalliberalen als „unsittliches Moment" anrechnet, mit den Sozialdemokraten zu Wahlzwecken paktiert zu haben, ist selbstverständlich, hat er

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