Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Der Kartelltag eines wissenschaftlichen Verbandes
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 587 (sequence 9)
- Language
- German
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Cohn. 587 Es folgt sodann, die Abstimmung. Der Antrag a) „Von parteipolitischen Fragen hält sich der Verband grundsätzlich fern''', wird einstimmig angenommen. Dagegen wird der Antrag b) „Von religiösen Fragen halt sich der Verband gleichfalls fern; insbesondere soll niemandem wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum die Aufnahme verweigert werden", mit 12 gegen 4 Stimmen und 1 Enthaltung abgelehnt. Hierauf erklärt Dr. Jacoby, daß er sich nicht mehr als zum G. C. V. gehörig betrachte, und verläßt die Versammlung. Wir enthalten uns jeden Kommentars; er würde nur den Eindruck des Berichts abschwächen. Er zeugt von einer solchen Dekadenz ernster wissenschaftlicher Kreise, daß man mit Polonius sagen möchte: „Es ist traurig, daß es wahr und es ist wahr, daß es traurig ist!" □ Kemrich Weyer ßoHn M m Abend des 29. Oktober, als sich zum ersten Male. Vertreter fegt sämtlicher jüdischen Gemeinden Deutschlands zur Wahrung ihrer Rechte in Berlin zusammenfanden, ist ein -Mann aus dem Leben, geschieden, der in hingebender, selbstloser Arbeit sich der Sache des Judentums gewidmet hatte, in dem die Glaubensgemeinschaft einen seiner treuesten und edelsten Söhne verliert. Mit unermüdlichem Eifer war sein ganzes Streben gewesen, gegen jene Bewegung anzukämpfen, welche sich die Rechte seiner GlaubLNsgenossm zu schmälern zum Ziel gesetzt hatte. Schon seit Beginn der antisemitischen Agitation war er von der Ueberzeugung durchdrungen gewesen, daß es eine Ehrenpflicht der Juden sei, diesen Kampf selbst zu führen. Als von Rrckert und Gneist der Verein zur Abwehr des Antisemitismus gegründet wurde, stellte er sein reiches Wissen und seine unerschütterliche Energie in den Dienst der Abwehrsache, der er von da an unausgesetzt seine ganze Kraft widmete. Dr. Heinrich Meyer Cohn gehörte auch zu den Mitbegründern des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in dem er wiederholt in Wort und Schrift verdienstlich wirkte. Die Vereinszeitschrist „Im deutschen Reich" verdankt ihm manchen wertvollen Beitrag, so noch in jüngster Zeit eine