Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Die 1. Hauptversammlung des "Verbandes der deutschen Juden"
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 569 (sequence 10)
- Language
- German
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Die 1. Hauptversammlung des „Verbandes der Deutschen Inders. 569 ferngehalten. Alle diesbezüglichen Beschwerden seien vergeblich gewesen, und jeder Kriegsminister hat neue Ausflüchte erfinden müssen, wenn Beschwerden an ihn gelangten. Die Zurücksetzung fei hier um so schmerzücher, da sie nicht, wie sonst bei Bewerbungen um Staatsstellen, bestimmte Klassen, sondern alle Juden ohne Unterschied ihres Berufes trifft, da gerade der Heeresdienst mit Recht als der höchste und wichtigste dem Staate zu leistende Dienst erachtet wird, und da endlich in Stunden der Gefahr, wenn alle Unterschiede schwinden, auch die des Glaubens und Bekenntnisses aufhören. Allgemeine Gründe für die Ausschließung der Juden vom Offiziersdienst gebe es nicht und werden niemals angeführt. Immer wird ihre Qualifikation betont, nur gerade in jedem einzelnen Falle wird ein be onderer Umstand geltend gemacht, der den Bewerber ungeeignet erscheinen lasse. Und dabei weiß man ganz genau, daß es dem jüdi chen Soldaten an Umgangsfmmen und Takt, an Mut und Tapferkeit nicht gebricht. Was die näheren Gründe der Zurücksetzung der Juden Letnffr, so glaube man, Deutschland, insbesondere Preußen dürfe nicht im liberalen Sinne regiert werden. Man meine, mit Schwert und Altar die als staatsfeindlich erkannten Elemente niederhallen zu können, die nur auf dem Gebiete des Geistes überwunden werden können. Man glaube, durch die einseitige Begünstigung einer Religion eine größere Macht über die Massen zu erlangen, endlich aber, und das ist der wichtigste Punkt, sei es die Macht der Bureeukratie, die ihre Alleinherrschaft durchsetzen will. Doch wehe dem Lande, das seiner Bureaukratie überliefert wird! Wehe Deutschland, wenn .es seine Bureaukratie so mächtig werden läßt, wie die russische geworden ist! Deshalb sei es gerade die ernsteste, wichtigste Aufgabe der Juden, so lange zu kämpfen, bis sie die verfassungsmäßigen Rechte auf jedem Gebiete errungen haben. ^Wenn wir uns eng zusammenschließen, immer und überall unser Recht fordern, dann werden wir dem deutschen Vaterlands und den deutschen Juden den größten, einen dauernden Dienst erweisen. Daß wir dazu berechtigt find, deß' sind wir gewiß, wenn wir uns an das laute und klare Kaiserwort halten: Deutschland heißt Kultur, Freiheit für Jeden in Religion sowohl wie in Gesinnung und Betätigung." Diese Ausführungen, die ebenfalls mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden, ergänzte der Korreferent, Herr Rechtsanwalt Dr. A u §r b a ch - Frankfurt a. M., durch eingehende Mitteilungen über die Derhältmffe in Süddeutschland, die zwar dort etwas besser, aber ebenfalls keineswegs ideal seien. Die volle Gleichberechtigung, die