Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Dr. F. Pinkus, Studien zur Wirtschaftsstellung der Juden [Rezension]
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 501 (sequence 1)
- Language
- German
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.Bücherschau. 501 Br. F. Pinkus, Studien zur WirLschaftssteüung der Juden. Berlin. 1905. Verlag Louis Lamm. Unter den notwendigen Voruntersuchungen für eine ^jüdische Geschichte"/ die den Anforderungen der Wissenschaft nach ihrem heutigen Stande genügen soll, nimmt diejenige, die nach der Wirtschaftsstellung der Juden fragt, einen hervorragenden Platz ein. Gleichwohl ist dieses Gebiet bisher kaum beachtet worden, so daß es ein schwieriges, aber um so rühmlicheres Unternehmen ist, einen Teil zur Lösung der Aufgabe beizutragen. P'cht selten werden Perioden oder Ereignisse der jüdischen Geschichte erst recht beleuchtet, wenn sie im Zusammenhang betrachtet werden mit der Wirtschaftsstellung, die die Juden unter einander einnehmen, oder in der sie im Staatsganzen stehen. Gegenwärtig ist es vornehmlich Br. Pinkus, der auf diese Seite unserer Geschichte seine Aufmerksamkeit gelenkt hat, und dem es gelungen ist, schon manchen Baustein für den künftigen Bau beizutragen. Dazu darf auch die vorliegende Arbeit gezählt werden, in der er weitere Beiträge zu diesem Thema gibt. Er führt zunächst Klage über die bisherige Vernachlässigung des Gegenstandes und weist die Mangelhaftigkeit der Beurteilung in den neuesten Abhandlungen auf; besonders muß das Urteil von Werner Sombart, das er in seinem jüngst erschienenen Werke: „Die deutsche Volkswirtschaft im XIX. Jahrhundert" niedergelegt hat, wundernehmen, sobald man den Erscheinungen tiefer nachzuspüren gewohnt ist» Sombart führt die Eignung der Juden für das kapitalistische Wirtschaftssystem auf den „in der jüdischen Rasse lebenden, durch nichts von feinem Ziele abzubringenden Willen" Zurück. Dabei darf aber keinesfalls stehen geblieben werden, es müssen vielmehr die materiellen Faktoren gesucht werden, die diesen Willen und die aus ihm resultierenden Eigenschaften zur Ausbildung gebracht haben. So werden wir zur „Grundlegung" des Systems geführt. Diese erleidet eine Erschwerung dadurch, daß zu trennen ist zwischen dem einheitlichen Wirtschaftssystem der Juden zur Zeit ihrer Staatsselbständigkeit und dem dualistischen, dessen Beginn bedingt ist durch ein „abnormes Moment", beruhend auf der Zwischenwirtschaft zwischen den Juden und ihren Wirtsvölkern, „den Angehörigen eines fremden Volksstammes und einem abgeschlossenen volkswirtschaftlichen System". Diese „abnorme Lage" ist nicht mit dem Jahre 70 n. Ehr. zu datieren; denn die Juden finden nach der Zerstörung des Tempels im römischen Weltreich eine gute Aufnahme, nachdem sie schon vorher als Handel- und Gewerbetreibende vielfach ihre Heimat mit fremden