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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 483

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-09-01
Page
483 (sequence 14)
Language
German
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Korrespondenzen 483 ihm dafür Ersatz zu schaffen und für einen vorübergehenden maleUcllen Gewinn mit Rußland Geschäfte zu machen, die sehr gewagter Art sind und nur den Urhebern der Frevel von Kischinew und Homel gestatten würden, ein Treiben fortzusetzen, das nicht nur die Russen jüdischen Glaubens, sondern das ganze russische Volk immer elender zu machen droht! A. L. Korrespondenzen. i! Berlin, 15. September. Der Verband der Deutschen Juden wird am 30. Oktober 1905 in Berlin seine erste öffentliche Hauptversammlung halten. Die Beteiligung mehrerer 100 Abgesandter aus allen Teilen Deutschlands ist gesichert. Der Verband, aus desien hohe Bedeutung für unsere Glaubensgemeinschaft wir wiederholt (S. 253, 421, 515, 548, Jahrgang 1904) hingewiesen haben, findet fast ausnahmslos in den Gemeinden und Verbänden lebhaftes Entgegenkommen, so daß zum ersten Male eine Kundgebung sämtlicher deutscher Juden za erwarten steht. Wie berichtet wurde, sollte kürzlich in einer von mehreren Tausend Personen besuchten Versammlung im Berliner Feenpalaft die Bildung einer neuen „anarcho-sozialistischen Partei" beschloffen worden sein, zu deren Idealen auch die Religionslosigkeit gehören würde. Die antisemitische „Deutsche Wacht" und die „Staatsbürger-Zeitung" beeilten sich, in fulminanten Artikeln sofort zu behaupten, daß „der geistige Vertreter dieser anarchistischen Gruppe, der sozialdemokratische frühere Stadtverordnete Do. Friedeberg ein Jude sei. Der Berliner AnLisemiten-Moniteur warf dabei die geschmackvolle Frage auf: „Wollen wir wirklich so lange warten, bis diese vaterlandslosen Fremdlinge auch Deutschland so weit gebracht haben, wie es ihnen mit Rußland gelungen ist?" Daß dem Leserkreise dieser Antisemitenblätter solcher Widersinn behagt, zeugt dafür, welche geistige Speise man ihnen vorsetzen darf. Urteilsfähige Leser müßten wissen, daß das Judentum eine Religion ist, und daß für seine Bekenner die Religionslosigkeit kein Ideal sein kann. Sie müßten wissen, daß gerade der Antisemitismus, der das Gebot der Nächstenliebe verpönt und zu gesetzwidrigen Handlungen aufreizt, den Theorien der anarchistischen Schwarmgeister sich bedenklich nähert. Wenn vielleicht auch nicht alle

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