Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Eine jüdische Patrizierfamilie in Basel
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 470 (sequence 3)
- Language
- German
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470 Im deutschen Reich. schmückt ist. Das mittlere Schwein trägt den im Spottvers als Nahrung genannten Gegenstand auf dem Kopf. Am Fuß der Scheibe liegt auf grünem Rafenboden links ein Mutterfchwein mit drei Jungen und Schellenhalsbarrd, rechts ein ebenso dekorierter Eber. Offenbar ist dieses kulturgeschichtlich intereffante Glasgemälde eines fener derbsinnlichen Erzeugnisse, durch die sich das mittelalterliche Vorurteil gegen die Juden mitleidlos kundzugeben Pflegte, wenn sie erst den Neid durch eine günstigere Lebensstellung erweckt und diese dann durch irgend ein Mißgeschick verloren hatten. In dieser Beziehung ist der Antisemitismus sich zu allen Zeiten gleich geblieben, indem er stets dazu anleitet, gefallenen Größen einen Eselstritt zu geben oder die verbissene Wut über in bevorzugter Stellung befindliche vereinzelte Juden an deren minder glücklichen Glaubensgenossen bösartig austoben zu lassen. Solcher Antisemitismus, der jetzt in Rußland so unheilvoll für die Verfolger wie für die Verfolgten wirkt, kann in der freien Schweiz hoffentlich nicht mehr aufkommen. Hier hat auch der arme hausierende russische Jude Brot und Frieden gefunden und wird auch eine begüterte jüdische Familie, ungestört durch niedrigen Neid, zu dem Ansehen gelangen können, dessen sie sich durch Bildung und Gesinnung würdig erweist. A. L. -Zr Umschau. inert „Zur Psychologie des Antisemitismus" überschnebenen Artikel, den hie Zeitschrift „Die Gegenwart" am 12. August veröffentlichte, leitet der Verfasser mit den treffenden Worten ein: „Sobald von Juden und Judentum gesprochen werden soll, vergißt man sofort die Mahnung des Tacitus, sine irn et stuäio zu urteilen, wofür allerdings die Entschuldigung zu Recht bestehen mag, daß jerer vielgerühmte Geschichtsschreiber selbst niemals ohne, sondern stets mit Zorn und Eifer Personen und Umstände gezeichnet hat." So ist es denn auch dem unbekannten Verfasser des in der „Gegenwart" veröffentlichten Artikels nicht besonders zu verargen, daß auch seine Erörterungen über die sogenannte „Judenfrage" von Voreingenommenheit gegen die Juden keineswegs ganz frei sind; aber er ist wenigstens bemüht, Licht und Schatten nicht ganz ungleich zu verteilen, und dabei auch unfern Gegnern Dinge sagt, die im allgemeinen viel zu wenig