Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Eine jüdische Patrizierfamilie in Basel
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 469 (sequence 2)
- Language
- German
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Eine jüdische Patrizierfamilie in Basel. 469 später deren Nachkommen das gewonnene hohe Ansehen entweder durch eigene Schuld oder — was zwar chronistisch nicht nachweisbar, aber sehr wahrscheinlich ist — durch antisemitische Anzettelungen und Verleumdungen wieder eingebüßt haben. Das Mittel dazu scheinen antisemitische Hetzschriften und Spottbilder geliefert zu haben, die als traurige Beweise für den elendesten Mißbrauch gelten müssen, der sehr bald nach der Erfindung der Buchdruckerkunst mit dieser von judenfeindlichen Skribenten getrieben worden ist. Bekanntlich find solche traurigen Erzeugnisse im Germanischen Museum und anderen Sammlungen vorhanden und zum Teil von dem neuerdings oft genannten Schriftsteller Liebe knlturwifsenschaftlich, aber mit bedauerlicher Einseitigkeit verwertet worden. In dem letzten Hefte der Baseler „Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde" bespricht August Burckhardt-Basel die Geschichte einer aus Colmar stammenden, in Basel heimisch gewordenen jüdischen Familie Eberler-Grünenzweig, die bald nach ihrer 1362 erfolgten Einwanderung in ihrer neuen Heimat großen Wohlstand und sogar eine politische Bedeutung erworben hat. Nachkommen des ersten Einwanderers Eberler wurden aber gegen Ende des 15. Jahrhunderts nicht nur in einen bösen Erbschaftsstreit, sondern auch in eine Münzbetrugs-Angelegenheit verwickelt (ihre Teilnahme daran nimmt August Burckhardt wenigstens als bewiesen an), und damit begann der rasche Niedergang des angesehenen Geschlechts, das in einem von Professor H. Pantaleon überlieferten Verse aus jener Zeit ausdrücklich als zum Baseler' Patriziat gehörig bezeichnet wird. Das einen roten Eber in gelbem Felde ausweisende Wappen eines zu dieser Familie gehörigen „Junkers" Grünenzweig ist auf einem Gobelin sichtbar, der aus dem Familienschatze des Mathes Eberler stammt und noch heute im historischen Museum in Basel verwahrt wird. An dieselbe jüdische Patrizierfamilie in Basel soll aber auch ein in einer privaten Schweizer Kunstsammlung befindliches Spottglasgemälde aus dem Ende des 15. Jahrhunderts erinnern. Wie die „Neue Zürcher Zeitung" berichtet, zeigt dieses Glasgemälde ein Wappenschild, das ein weißes Schwein, das auf gelben Stelzen geht, im roten Felde enthält. Auf blauem, oben von gotischem Astwerk umrahmten Damastgrund liegt eine Bandrolle mit der Aufschrift: „Ich bin ein sw (-in, oder su) und fressen dreck und nim yn inhs mul und louf hinweg." Als Trabanten umstehen das Wappen zwei Säue und links ein Eber, dieser in Wams, Stiefeln und Barett, wahrend die eine Sau mit Narrenkappe, Schelle und Halskette ge-