Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Die beste Waffe gegen unsere Feinde
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 468 (sequence 5)
- Language
- German
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468 Im deutschen Reich. geradezu ein Unglück für das deutsche Judentum — für das ganze Vaterland. Daher erachte ich es für meine gebieterische Pflicht, die Bitte an alle ferngebliebenen Glaubensgenossen zu richten: tretet ein, verstärkt unsere Reihen und helft uns das unheilvolle, deutsche Gesittung verhöhnende, antisemitische Gebühren mit allen gesetzlichen Mitteln Zu bekämpfen! Hier allein ist die Stätte, wo wir uns alle finden. Möchte dieser Mahnruf bei allen Glaubensgenossen, die trotz der immer drohender gewordenen Gefahr des Antisemitismus noch abseits der Vereinigung geblieben sind, die erhoffte Beachtung finben und aus dem freimütigen Bekenntnis des Verfassers dieser Zeilen die Gewißheit erkennbar werden, daß uns nur die einheitliche zielbewußte Bekämpfung schützen kann, daß es kein anderes und wirksameres Mittel gibt, uns und das Vaterland von der verderblichen Krankheit zu befreien, als die „Flucht in die Öffentlichkeit"! Eine jüdische MaLrizierfawilie in Masel. ^^^ährend meines Ferienaufenthalts in Grindelwald fand ich im Anzeigenteil mehrerer Schweizer Blätter die Ankündigung, daß der in Basel verstorbene, aus einem Orte bei Kowno stammende Hausierer Jossel Kohan Sonntag den 23. Juli beerdigt und man sich zum Zwecke der Beteiligung in der Friedrich straße versammeln werde. Wieder einer jener russischen Auswanderer, dachte ich, der durch die Auswüchse des Zarismus vaterlandslos geworden, von Land zu Land getrieben, endlich eine Zuflucht in der gastfreien Schweiz gefunden, wo er sich vielleicht nur kümmerlich als Hausierer ernährt, aber doch als freier Mann zuletzt eine friedliche Ruhestätte in einem Lande gefunden hat, in dem man wegen feines Glaubens oder seiner Abstammung keine blutigen Verfolgungen erleidet. Die Zahl der in der Schweiz wohnhaften Juden ist bis jetzt noch keine große, aber ihre Bedeutung für die industrielle Entwicklung wird jetzt mehr und mehr gewürdigt, und auch auf anderen Gebieten haben sich bereits einzelne Inden in erfreulicher Weise Ansehen verschafft und bewiesen, daß sie die Wohltat, freie Bürger eines freien Landes geworden zu fein, vollauf würdigen und durch echte treue Vaterlandsliebe zu vergelten bestrebt sind. Um so intereffanter ist der Nachweis, daß schon im vierzehnten Jahrhundert dies in der Schweiz einzelnen eingewanderten Juden glückte, und daß erst ein Jahrhundert