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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 465

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Die beste Waffe gegen unsere Feinde
Date
1905-09-01
Page
465 (sequence 2)
Language
German
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Die beste Waffe gegen unsere Feinde. 465 leidet. Bitter wehe hat uns jene böswillige Verirrung getan, schmerzliche Wunden hat sie mit roher Henkerslust geschlagen und hohnlachend zerstört, was Ehre, Gesetz, Menschen- und Nächstenliebe mühsam aufgebaut. Und dennoch hat der Antisemitismus. — freilich ungewollt — etwas Gutes gebracht, für das wir ihm dankbar find, weil es uns die einzige Möglichkeit bietet, dem Irrwahn Zu begegnen und kämpfend auszuharren, bis wieder das Helle Licht der Vernunft über den finstern Glaubenshaß in deutschen Landen siegt. Das ist die Solidarität — die Zusammengehörigkeit, die in der bisherigen Gleichgiltigkeit stark gelockert und vollends verschwunden wäre, hätte uns nicht der Kamps, die Abwehr antisemitischer Angriffe fester denn je in der Erkenntnis zusammengefchloffen, daß uns nur die Gemeinsamkeit, ein einheitliches auf Recht und Gesetz begründetes Auflehnen gegen das unlautere Treiben und Hetzen zu schützen vermag. Aus diese einzige und gebliebene Selbsthilfe ist von berufener Seite so klar und eindringlich hingewiesen, daß jeder neue Hinweis nur eine Wiederholung bedeuten würde. Ich will daher nur meinem eigenen Empfinden kurzen Ausdruck geben, mit welcher Teilnamlosigkeit ich das Auftauchen des Antisemitismus beobachtete und seine Phasen verfolgte. Auch damit ist kein neues Hilfsmittel geboten, wohl aber die Erkenntnis eines sehr großen Teiles der abseits gebliebenen Glaubensgenossen, die erst den Antisemitismus am eigenen Leibe erfahren mußten, bevor sie die ganze Gefahr erkannten und sich zur Gegenwehr aufrafften. Heute, wo die Ansicht der indifferenten Majorität, daß man die Angriffe auf das Judentum unbeachtet lassen solle, weil nur mit Stillschweigen die antisemitische Bewegung zu entkräften sei, glücklicherweise von der Praxis überwunden wurde und das einzig richtige Vorgehen der zielbewußten, klar schauenden Männer, welche den „Central-Verein deutscher Staatsbürgerjüdischen Glaubens'' als einen Schutzwall ins Leben riefen, greifbare Erfolge zeitigte, kann niemand mehr an dessen heilsamer und wirksamer Hilfe zweifeln. Es ist nicht nur gebieterische Pflicht des einzelnen, sondern auch seine eigene Selbsterhaltung bedingt es, unablässig dafür zu wirken und zu streben, daß diese Vereinigung immer stärker und mächtiger werde, bis der Zusammenschluß aller Juden im deutschen Vaterlande dereinst das segensreiche Endziel verwirklicht, den Antisemitismus vollends zu beseitigen. Denn nur dieser ist es, der uns unsere staatsbürgerliche Stellung verkümmert, das Höchste und Heiligste, das uns unzertrennlich mit unserm Vaterland verbindet, verunglimpft und uns zu einer minderwertigen Klaffe des

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