Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 436 (sequence 5)
- Language
- German
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3m deutschen Neich. 4Bi; nach „keinerlei antisemitische Tendenzen in ihrer Organisation vorherrschen sollen, sondern die Inden lediglich deshalb ausgeschlossen werden, weil es sich um „nationale Bestrebungen" handle. Am Schluffe der Versammlung wurde schließlich mit allen gegen die Stimmen der Deutschnationalen eine Resolution angenommen, die sich für gemeinschaftliche Organisierung der männlichen und weiblichen. Handelsangestellten aussprach. Dem Vorsitzenden der deutschnationalen Ortsgruppe entgegnet die Redaktion: „Aber Herr Rademacher, seit wann ist denn die Handlungsgehilfenbewegung ein nationales Bestreben? Und wie verhält sich denn Ihr „Nationalgefühl" dazu, daß sie in der Ortsgruppe Posen echte Nationalpolen als Mitglieder haben, nicht nur in Posen, sondern in allen Orten, wo Nationalpolen es für richtig halten, um des Antisemitismus .willen dem „deutschnationalen" Verbände beizutreten? Wir erinnern an Gnesen, Uulm u. a. O." Wie der „Voss. ZtgR aus Amsterdam berichtet wird, ist der neue niederländische Justizminister Dr. jur. van Raalte Jude. Van Raalte war lange Beigeordneter in Rotterdam; der Volksvertretung gehört er seit 1897 an, hinsichtlich seiner politischen Richtung wird er zu den freisinnigen Demokraten gerechnet. Vor etwa 50 Jahren ist das niederländische Justizministerium ebenfalls von einem Israeliten, Godefroi, verwaltet worden. Man kann daraus ermessen, wie es um den holländischen Antisemitismus steht. ± Frankfurt a. Main, 20. August. Dem New-Yorker Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung" teilte Herr Jakob Schiss mit, der Minister v. Witte habe ihm in seiner jüngsten Unterredung erklärt, die Russen seien nicht genügend entwickelt, um sich die Juden durch Gleichberechtigung zu assimilieren. Die Frage würde jedoch der Nationalversammlung vorgelegt werden, zu der die Juden das aktive und passive Wahlrecht bekamen. Herr v. Witte, so meint Herr Schiff, sehe offenbar die absurde Stellung in der Judenfrage ein, fühle sich jedoch machtlos. Die Anleihefrage sei in der Unterredung überbaupt nicht berührt worden. Die Plazierung einer russischen Anleihe in Amerika sei vor dem Friedensschluß unmöglich. Auch dann würden die jüdischen Bankiers sich fernhalten, falls die Judenfrage ungelöst bleibe. Mißtrauen ist den russischen Machthabern gegenüber nach den bisherigen Erfahrungen nur allzusehr gerechtfertigt. Wir wollen hoffen, daß die amerikanischen Bankiers ihrem Standpunkt treu bleiben und bei den Geldmännern Deutschlands Nachahmung finden.