Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Oskar Frankl [Rezension]
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 383 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bucherschau. 333 Christ wäre gewesen, hätte wohl mocht ein Jade werden. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre und hätte solche Tölpel und Knebel gesehen den christlichen Glauben regieren uni lehren, so wäre ich ehe eine sau worden, denn ein Christ. Denn sie haben mit Juden gehandelt, als wären sie Hunde und nicht Menschen u. s. w. — Sonst führt hierin in Deutschland damals das Wort nur der Haß und der Aberglaube, zum mindesten das Vorurteil. Wie mannigfaltig und farbenreich ist dagegen das Bild, das in einem englisch geschriebenen Buche einen ähnlichen Gegenstand zum Thema bat: The Jew in Englisli Fiction by Eabbi David Philipson, Hew Edition, Cincinnati, 1903. Eine lehrreiche und unterhaltende Schrift! Von dem grausigen Drama Marlowes „The Jew of Malta“ führt der Weg über Shakespeares „Merchani of Venice“ zu dem übertrieben edelmütig gezeichneten Juden bei Cumberland. Die Romantik n Scotl's Ivanhoe tritt zu den Karrikaturen bei Dickens in „Oliver Twist“ und „Our mutual Friend“, und neben der fanatisch-jüdisch?n Auffassung bei Disraeli steht die tiefgründige Erkenntnis des Judentums bei George Eliot und die,realistische Darstellung von Zangwill. Vielleicht erhalten wir auch einmal für die deutsche Literatur eine Arbeit, die die Figur des Juden im 18. und 19. Jahrhundert behandelt; sie würde wegen ihres Gegenstandes sicherlich ein färbervolleres Bild abgeben als die jedenfalls verdienstliche Schi ist von Oskar Frankl. Charlottenburg. F. Rofenberg. Der Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen. (Ver offentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. Heft 1> Verlag des Bureaus f. St. d. I. Halensee 1905. Das überaus rührige Bureau, das seit Januar d. I. die Monatsschrift für Demographie und Statistik der Juden herausgibt, hat soeben eine umfassende Untersuchung über den Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen erscheinen lassen, die anläßlich des Preußischen Gesetzentwurfs über die Volksschulunterhaltungspflicht augenblicklich ein ganz besonderes Inten sse beanspruchen darf. Die Arbeit zerfällt in einen geschichtlichen Teil (von Dr. Thon) und einen statistischen Teil (von Dr. Ruppin). Der geschichtliche Teil liefert ein anschauliches Bild von der Entwicklung des jüdischen Schulwesens. Trotz allen äußeren Druckes sorgten die Juden allezeit für Jugendunterricht, der freilich ausschließlich religiöser Art war. Im Cheder, dessen Form bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, empfing der Knabe den religiösen Elementarunterricht (Bibel und Talmud), in der Jeschibah den