Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Oskar Frankl [Rezension]
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 382 (sequence 2)
- Language
- German
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382 Im deutschen Reich. daher manche der besprochenen Werke ebensogut in dem einen wie dem andern Kapitel ausgenommen werden konnten, so ist doch wohl die gewählte Einteilung als sachgemäß zu betrachten, zumal da sich herausstellt. daß damit zugleich eine formale Scheidung gegeben ist: es ergibt sich Nämlich, daß die Diskussionen meist in den Fastnacht- und geistlichen Spielen vorkamen, daß die Schwänke, in Vers und Prosa, die Form für die Verspottung abgaben, daß sich die Figur des Juden als eines Wucherers meist in Dramen findet, und daß man sich für die Beschuldigung Der HosLienschändung und des Kindermordes des Volksbuches oder des Volksliedes bediente. Sachliche Einwendungen laffen sich wohl nur wenig gegen die Darstellung des Verfassers machen. Ich möchte indes nicht unterlassen, mich dagegen zu wenden, daß Frankl behauptet, die Juden hätten in den Jahrhunderten, über deren literarische Erscheinungen gehandelt wird, „jeder Berührung in Sprache und Denkungsart, in örtlicher, wirtschaftlicher und geistmer Beziehung mit ihren andersgläubigen Nachbarn entbehrt." (S. 34). Die ausgedehnte jüdisch-deutsche Literatur, die ihre Stoffe zum großen Teile deutschen Dichtungen entnahm, ist ein Beweis für das Gegenteil. — Bei der Geschichte, die F. aus Grimmelshausens „viridarium historicum“ ausführlich wiedergibt und die den Tvel „Der rare Wünschelring" führt, lS. 74) hätte Frankl darauf Hinweisen sollen, daß die Erzählung eingehend in einem Vortrag von Georg Minden (12. Februar 1900; abgedruckt in dor Allg. Zeit. d. Jud.) „Das Volksmärchen von der bösen Rabbinerin" behandelt worden ist. Daß das Buch in der Form einen etwas eintönigen Charakter hat, ist wohl nicht als Schuld des Verfassers zu bezeichnen. Das Gemälde mußte grau in grau gehalten fein; kaum daß ein paar hellere Punkte bemerkbar werden, etwa wenn den Juden einmal gegenüber den Christen von einem Dichter die getreue Einhaltung ihrer Feste nachgerühmt wird (S. 50), oder wenn ein Mann wie Pamphilus Gengenbach (aus Basel, dichtete 1509 — 1524) den Wucher der Juden damit entschuldigt, daß ihnen jeder andere Erwerb abgeschnitten sei (S. 97), oder auch wenn Jacob Ayrer (aus Nürnberg, f 1605) einmal sagt: „schimpft nicht auf die Juden, die Wucher treiben, gibt es doch unter den Christen genug Leute, die nichts andres tun, als das, was man bei den Juden so tadelt.“ — Auch Marlin Lucher war anfangs, z. B. in der Schrift „Daß Jesus ein geborener Jude sei' (1523). den Juden freundlich gesinnt. „Unsere Narren, die Päpste, Bischof, Sophisten und Mönche, die groben Eselsköpfe haben bisher also mit den Juden gefahren, dass, wer ein guter