Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur [Rezension]
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 381 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherjchau. 381 Kohut: ^Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentums" gewidmet. In uns näher liegende Zeiten, die uns aber vielfach auch schon als längst vergangene erscheinen, führen uns die Schilderungen zweier geistreichen Schriftstellerinnen, Rosalie Perles und U. Frank. Mit Recht preisen beide die Tätigkeit der jüdischen Frauen und Müiter in den ersten Jahrzehnten des 19. Iah, Hunderts, die in so vieler Beziehung als Epoche machend für die innere und äußere Entwicklung des Judentums angesehen werden können. Zum Schluffe erhält im Jahrbuch noch em christlicher Dichter Börries Freiherr von Münchhausen das Wort; seine ebenso formschönen wie tiefempfundenen Verse gedenken der traurigen Ereigniffe von Kischinew. Dem Jahrbuche sind wieder Mitteilungen aus dem Verbände der Literatur-Vereine beigegeben. Die Zahl der beteiligten Vereine ist'im Berichtsjahre von 178 auf ISO gestiegen. In einer großen Zahl von Vorträgen und Diskusstonsabenden trat wieder das wachsende Jntereffe unserer Glaubensgemeinschaft an ihrer Geschichte und Litteratur zu Tage. Jedenfaüs hat sich die Tätigkeit der an der Spitze des Verbandes wie der einzelnen Vereine stehenden Männer als sehr erfolgreich erwiesen. Berlin. 0. 61. Oskar Frankl, Der Jude in den deutschen Dichtungen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts, M.-Ostrau u. Leipzig, 1905. 144 S. gr. 8» (Mk. 2). Oskar Frankl hat sich in angemeffener Weise bemüht, seinen Lesern ein Bild davon zu entwerfen, wie fich im 15. bis zum 17. Jahrhundert die Figur des Juden in der deutschen Litteratur darstellt. — Da von einer Entwickelung zu einer wohlwollenderen Auffaffung innerhalb dieses Zeitraumes nicht die Rede sein kann, ist der Versaffer nicht chronologisch vorgegangen, sondern er hat den Stoff nach sachlichen Gesichtspunkten in 4 Kapitel geteilt. Zuerst behandelt er die Dichtungen, in denen Diskussionen zwischen Juden und Christen stattsinden und die zum Zwecke hatten, von dem Vorzüge des Christentums zu überzeugen; dann spricht er von den Werken, in denen die Juden wegen ihrer Sitten und Gebräuche und auch wegen ihrer Denkungsart lächerlich gemacht werden; das dritte Kapitel ist den Schriften gewidmet, die die Anklagen gegen den Wucher der Juden erheben, und zum Schluß ist die Rede von den Dichtungen, in denen den Juden Hostienschändung und Kindermord vorgeworfen wird. — Wenn auch zuweilen eine Vermischung mehrerer Motive eintritt und-