Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 366 (sequence 3)
- Language
- German
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306 Im deutschen Reich. Redner ausgeführt., sei so lange nicht zu denken, als es in Europa noch einen Staat gebe, der einen Teil seiner Bevölkerung auf die Landstraße setze. — Am Tage da auf begann die Sitzung mit dem Referate des Prof. Blaschke-Berlin über Bezirksrabbinate. Der Gemeindebund macht ftch die Gründung von Bezirksrabbinaten zur Aufgabe, und Zwar soll dies im Jnterisfe der Gemeinden geschehen, in denen kein Seelsorger ist. Die Hauptschwierigkeit liegt in der finanziellen Frage. Von einer Seite wird die Anstellung von Wanderrabbinern empfohlen, von anderer Seite wird verlangt, daß die Stadtraböiner den Konfirmationsunterricht und die Inspektion über den Religionsunterricht übernehmen. Ein weiterer Vorschlag sucht die Frage durch Bezirkssy-ragogenverbände zu l sen. Die Regierung hat nur ideelle Unterstützung Zugesagt. Der Referent beantragte die Gründung von Bezirksrabbinaren ohne Inanspruchnahme des Staates. An das Referat knüpfte sich eine mehrstündige Debatte. Es wird der Antrag des Referenten angenommen. Nachträglich wurde noch zu dem Referat des P ofesfors Dr. Blajchke über den Religionsunterricht folgender Antrag des Kirchenrats Dr. Krouer - Stuttgart angenommen: „Der Gemeindetag erklärt, daß es für die paritätische und zweckmäßige Behandlung der israelitischen Schuljugend erforderlich ist, daß an allen Schulanstalten des Staats wie der Städte, an denen die Mindestzahl von zehn Schülern vorhanden ist, ein geordneter israelitischer Religionsunterricht erteilt wrrd; daß ferner im Auftrag der Regierung durch geeignete israelitische Fachmänner dieser Religionsunterricht beaufstchtigt wird." — Nachmittags berichtete dann Amtsgerichtsrat Levy - Beuthen über religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene, Generalsekretär Dr. Neumann- Berlin über Fürsorge für geistesschwache Kinder. Infolge der Inzucht sei der Prorentsatz solcher Kinder besonders hoch. Der Redner empfahl deshalb tie Gründung einer jüdischen Lehranstalt für geistesschwache minderbemittelte Kinder. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden für den nächsten Gemeindetag zurückgestellt. Nach der Wiederwahl des Vorstandes wurde die Tagung geschlossen. Mainz, 1. Juni. In der am 24. v. Mts. abgehaltenen Sitzung derStadtverordneten-Versammlung wurde der bisherige Bürgermeisterei-Beigeordnete, Kommerzienrat Reinach zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt. Einmütig erteilte die Versammlung ihre Zustimmung zu dieser ehrenvollen, verdienten Auszeichnung unsers Glaubensgenofien. Dem achtzigjährigen verdienten Ehrenbürger rühmt das