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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 343

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Das Lehrlingsheim Pankow im Jahre 1904
Date
1905-06-01
Page
343 (sequence 2)
Language
German
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Das Lehrlingsheim Pankow im Jahre 1904. 343 lich — das liegt in der Natur der Sache — das Handwerk mehr als die Landwirtschaft. Es ist ein Ehrenzeugnis für die ungebrochene Kraft des Judentums, daß seine mit Gewalt künstlich unterbundenen physischen Lebensäußerungen auch schon in dem Augenblick erwachten, als die Fesseln fielen. Wenn die Vorstellung des physisch im Schweiße seines Angesichts arbeitenden Juden eine ungewohnte und für weitere Kreise eine fast undenkbare geworden war, so bedarf diese Tatsache einer sehr wesentlichen Einschränkung. Diese Erscheinung ist mehr eine Eigentümlichkeit des westeuropäischen Judentums, das, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, unter dem Druck der Verhältnisse der von alters her gewohnten Beschäftigung mit dem Handwerk entsagen mußte. Die großen Judenmassen des Ostens dagegen bewahren dem Handwerk eine fast liebevolle Hingebung. Wie im Altertume der Jude in Alexandrien und den griechischen Kolonien der vorzüglichste Vertreter für Kunstgewsrbe und feinere Handwerke war, so ist noch heute der Jude im nahen und fernen Osten, wie im ganzen Norden des schwarzen Erdteils der hauptsächlichste und stellenweise der einzige Träger des Gewerbefleißes und manueller Geschicklichkeit. Muß doch selbst die russische Regierung das von der Statistik gewonnene Material bestätigen, wonach die grauenhafte Notlage der Juden aus ihrer zu großen Bevorzugung der professionellen Berufe herrühre. Und in noch höherem Sinne gilt das von Rumänien, dessen Machthaber durch einejudenfeindliche Gesetzgebung mit prohibitiver Tendenz gegen die Fremden bemüht sind, erst einen nationalrumänischen d. h. nicht, jüdischen Arbeiterstand zu rächten, dessen Schaffung ihnen nur durch Schwächung oder gar Ausschließung der jüdischen Konkurrenz möglich erscheint. * Ist es also für die deutschen Juden überflüssig, erst einen Nachweis für manuelle, oder wie fälschlich gesagt wird, produktive Befähigung zu erbringen, so ist es doch andererseits eine praktische Notwendigkeit, die überfüllten kaufmännischen Berufe zu entlasten und dem Handwerk neuen Boden zu gewinnen. Trotz der vorhandenen Neigung hierfür bedurfte es aber bei den noch bestehenden Hinderniffen sozialer Natur mancher Aufmunterung, um einen Teil glaubensgenössischer Schichten zum Handwerk h'mzuleiten. In jüngster Zeit bilden, begünstigt durch die gesteigerte soziale Fürsorge, die Lehrlingsheime ein hervorragendes Förderungsmittel zur Einführung unserer Stammesgenoffen in diese Berufsarbeiten. Sie haben schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens

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