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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 342

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Zur rechtlichen und ökonomischen Lage der Juden
Date
1905-06-01
Page
342 (sequence 5)
Language
German
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U2 Im deutschen Reich. übrigen leben teilweise in größtem Elend. Mehr als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Wilnas lebt von physischer Arbeit. Der Arbeitslohn des jüdischen Arbeiters ist größtenteils überaus kärglich und geht herunter bis zu 60 Rubeln pro Jahr. Viele Juden suchen sich durch kleine Krämerläden ihren Lebensunterhalt Zu verdienen. Doch ist auch bei diesen das Elend so bejammernswert, daß es selbst einem russischen Gouverneur das Herz gerührt zu haben scheint. Er entrollt in seinem Berichte folgendes Elendsbild (S. 42): „Die offiziellen Volkszähler der Volkszählung von 1897. die von Kindheit an gewohnt waren, in jedem Juden einen „Ausbeuter" Zu sehen, waren überrascht, als sie mit eigenen Augen sahen, in welchen Derhältnisien die Mehrzahl der Juden lebt: fürchterliche Zu-sammendrängung, Elend, eine Menge- Bettler, Leute ohne bestimmten Beruf. In einer Stube wohnen oft zehn Menschen, selten aber weniger als sechs bis acht; eine ganze Familie bat nur ein Bett, wo natürlich nur der eine Teil schläft, während die übrigen einfach auf dem Fußboden liegen. Eine Familie von vier bis fünf -Personen ernährt sich oft ganze Tagehindurch von vier Pfund Brot und einem Häring. Alles geht barfuß und in Lumpen. Die Kinder abgewagert, fahl, mit Keimen von Schwindsucht und Entkräftung. Und solcher Elenden gibt es in Wilna etwa 20 000, das heißt ein Viertel der ganzen jüdischen Bevölkerung." So namenloses Elend hat die russische Judengesetzgebung über die jüdische Bevölkerung gebracht. Die angeblichen Erleichterungen, die das „Judenmanifest" vom 24. August 1904 eingeführt hat, sind völlig unwesentlich und stehen nur auf dem Papier» Ihre Befreiung können die geknechteten Juden Rußlands erst mit der Reorganisation des Staates finden. Die Juden, die doppelt schwer unter der Knute des Zarismus geseufzt haben, werden dann erleichtert ausatmen. Ms Lehrlingsheiw MnLorv iw Jahre 1904, Von Bernhard Traubenberg. sie beiden großen Betätigungsgebiete, die für die Juden mit unübersteiglichen Mauern versperrt waren, Handwerk und Landwirtschaft, öffnen mehr und mehr auch für uns ihre Pforten. Frei-

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