Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Der christliche Standpunkt
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 336 (sequence 2)
- Language
- German
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zu erwähnen — wirklich dem Vaterlands weniger leistet als Herr- Knut von Knickebein, -- den Beweis ist er uns schuldig geblieben. Der Jude, heißt es, wird nicht Offizier aus Lust zum Waffenhandwerk, sondern nur der gesellschaftlichen Stellung wegen. In unserer heutigen, materiellen Zeit sind leider solche Menschen, die auf idealer Grundlage ihr Leben aufbauen und nicht nach äußeren Vorteilen streben, dünn gesäet. Aber hoffen wir, daß bei Christen und Juden sich die Zahl jener Edelgesinnten mehlt, die in sittlichem Ernst dem Ideal leben und nicht dem äußeren Schein. Das kann aber nur geschehen, wenn die alte chinesische Mauer des Vorurteils niedergeriffen wird, und trotz Rasse und Religion Mensch zu Mensch sich findet. Der Jude, meint Herr Eißenhardt, hat überall, wo er auf dem Erdball erschien, „zersetzend" gewirkt. Ein Kaiserwort wies zwar darauf hin, daß der Deutsche der zersetzenden, erfrischenden, stärkenden Wirkung des Salzes gleich sein müsse; dcr Jude, der „dem Deutschen fremd geblieben fei" wäre hier also ganz deutsch geworden, aber, „an einem Kaiserwort soll man nicht drehen und deuteln." Setzen wir uns also persönlich mit Herrn Eißenhardt auseinander. Ist dieser schlechte und zersetzende Einfluß in Spanien zu merken gewesen, das in seiner BMe stand, als jüdische Intelligenz und jüdischer Reichtum dem Lande dienten, und das durch die Vertreibung der Juden verfiel? Der Jude — immer noch der wanderlustige Ahasver — würde nie ein wahrer Deutscher sein, würde, abenteuerfreudig nach anderen Welten ausgewandert, Deutschland schnell vergessen und darum auch, solange er selbst noch in Deutschland! weile, nie deutsche Interessen zu den seinigen machen. Wie verhalt sich hierzu die sattsam bekannte Tatsache, daß kein anderes Volk eine derartige Assimilationsfähigkeit besitzt; die deutschen Juden find nur Deutsche, ebenso wie die spanischen nur Spanier. In j der Gegend des Schwarzen Meeres leben Juden, die, aus Spanien! vertrieben, noch heute nach Jahrhunderten nur die spanische Sprache reden. Sie haben also in leidenschaftlicher Liebe zu dem Boden, der sie geboren, seiner auch in der Fremde nicht vergessen; und dankbar gedenken noch späte Geschlechter dcr verlorenen, nie gekannten Heimat, von der die Urahne in stillen Dämmerstunden geheimnisvolle Märchen erzählte. Und als lebendige Erinnerung an vergangene Zeiten findet sich in Rustschuk am Schwarzen Meer eine Zeitschrift, die in spanischer Sprache mit hebräischen Buchstaben erscheint. Kann diese starke, echte Heimatsliebe ein vaterlandsloser Geselle empfinden? — Wie viele hervorragende Dichter und Schriftsteller sind unter den modernen Juden, die in deutscher Sprache singen und sagen, wie