Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Jüdische Aerzte einst und jetzt
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 317 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316734-2335160--13887-2335230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Im deutschen Keich. Leiifchvift des —.Vrschrink xwölfmkil im Äshrr. XI. J«Hrg. Berlin, Auni/Zuli 1805. Wr. 6/?7 Jüdische Aerzte einst und jetzt. Von Dr. W. Feilchenseld, CharloLLenburg. Nach einem Vorträge, gehalten am 30. Oktober 1904 vor der Gruppe Charlottenburg des Central-Vererns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Es ist allgemein bekannt, daß die Inden von jeher mit besonderem Interesse sich der Heilkunde zuwandten, und daß zahlreiche Aerzte aus ihrer Mitte hervorgegangen sind. Man wird das verstehen, wenn man weiß, daß bereits die alten Lehrer wie Maimonides die Heilkunst als einen sehr wichtigen Faktor der Ethik ansahen. Schleiden sagt: Die Gesundheitspflege, sowohl die Erhaltung der normalen Beschaffenheit des eigenen Körpers durch zweckmäßige Diät, als auch die Pflege und Wiederherstellung der Kranken wird bei den Juden als sittliche Pflicht angesehen. Bei Jellinek lesen wir: Vermöge ihrer Verstandesschärfe sind die jüdischen Aerzte besonders geeignet, die letzten Gründe der leiblichen Tätigkeit zu verfolgen. Das geschmeidige Naturell, das sich anderen rasch anschließt, in fremde Empfindungen und Anschauungsweisen mit größter Leichtigkeit sich versetzt, hat den Juden in der Zerstreuung unter den verschiedenartigen Völkern die größten Dienste geleistet und jene Hingebung erzeugt, die dem Leidenden Wohltat und dem Kranken, den ein verzeihlicher Egoismus beherrscht, Vertrauen zu seinem Arzte einflößt. Dazu kommt noch das stete Streben nach geistiger Arbeit und die hohe Achtung vor jeglicherwiffenschastlicher Tätigkeit. Dann war es aber bis in die neueste Zeit hinein kaum ein anderes Gebiet, das ihnen so sehr offen stand, wie die Medizin.