Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 293 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 293 solchen Gründen in den Augen des Philisters herabgesetzt werden soll, so hat kein Blatt weniger ein Recht dazu als ein konservatives vom Schlage des „Reichsboten". Die uns zufällig bekannten Leute aus unserer Partei sind Herzensbündnifse eingegangen, während die Träger hochadliger Namen in neunundneunzig Fällen von Hundert vor der Wahl standen, entweder sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder sich durch eine reiche Partie vor Schande zu retten. Da der „Reichsbote" es nun einmal für ehrenvoll hält, im Privatleben anderer herumzuschnüsfeln, veröffentlicht er vielleicht auch eine Liste solcher hochadliger Namen. Als einzigen plausiblen Weigerungsgrund könnten wir nur den gelten lassen, daß ihm für diese Leporelloliste kernfestester Staatsstatzen nicht Raum genug zur Verfügung steht." Im März dieses Jahres erschien etwas verspätet der „Kalender für das höhere Schulwesen Preußens und einiger anderer deutschen Staaten. Schuljahr 1904/' Breslau 1905. Verlag von Preuß & Jünger. Den mit Benutzung amtlichen Materials ausgestellten Listen entnehmen wir über die Verhältniffe der jüdischen Oberlehrer und Kandidaten des höheren Schulamts folgende Angaben (vergl. Jahrgang 1903 Novemberhest S. 666): Trotz dem großen Mangel an Oberlehrern ist die Zahl der neuangestellten jüdischen Kandidaten gering: unter 417 angestellten Kandidaten sind nur 5 Juden, und von diesen find 2 von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. angestellt worden. Besonders zu beklagen ist es, daß in dem Berichtsjahre (vom 1. Mai 1903 bis 1. Mai 1904) die königlichen Anstalten keinen einzigen Juden angestellt haben, und daß auch von den Stadtverwaltungen nur die jüdische Kandidaten angestellt haben, bei denen schon früher jüdische Oberlehrer im Amt waren. 390 von den 612 höheren Lehranstalten Preußens haben Lehrerkollegien desselben Glaubensbekenntniffes, 222 solche mit verschiedenem Bekenntnis; an den beiden jüdischen Lehranstalten in Frankfurt sind Juden und Christen angestellt. 564 Schulen haben nur christliche Oberlehrer, 46 auch jüdische und zwar 9 königliche unter 231 3,9 v. H. und 37 städtische unter 379 10 v. H. Die 37 städtischen Anstalten verteilen sich, wie im Vorjahr aus 9 Städte, je 1 Anstalt in Danzig, Bromberg, Kattowitz, Myslowitz, Magdeburg, je 2 in Breslau und Frankfurt a. M., 3 in Charlottenburg, 25 in Berlin. Wie in den Vorjahren find 5 Provinzen ohne jüdischen Oberlehrer: Rheinprovinz, Westfalen, Hannover, Schleswig- Holstein, das neben den evangelischen nur 1 katholischen, Pommern, das nur evangelische Oberlehrer hat. Je 1 jüdischer Oberlehrer findet