Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 292 (sequence 2)
- Language
- German
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-Oui vcuipjycu s/vcmj. Minister unrichtig erscheinen mögen, kann demselben doch die Tatsache nicht gleichgiltig sein, daß nicht nur das Verhalten, sondern auch manche Aeußerungen der in den Ostmarken fungierenden Beamten der verschiedensten Ressorts mit seinen programmatischen Aeußerungen nicht in Einklang zu bringen sind. So lange diesen Beamten nicht ein Licht ausgesteckt wird, dürfte in ihren Seelen ein ganz anderes Bewußtsein brennen, als der Minister herbeiwünscht. Am „schwarzen Brett" der Kgl. Anatomie der Breslauer Universität findet sich folgender Aufruf: „Gesucht werden für Oberfchlesien, Posen und Westpreußen junge deutsche katholische und evangelische approbierte Aerzte, deren Unterhalt gesichert werden wird. Meldungen auch solcher Herren, welche nahe vor dem Abschluß der Staatsprüfung stehen, nehme ich, außer den Ferien täglich um 8 Uhr in meinem Amtszimmer auf der Anatomie entgegen. gez. C. Hasse." Herr Geheimer Regierungsrat C. Hasse in Breslau ist ein Hauptvertreter des Ostmarken-Vereins, für den auch jüdische Mitbürger opferfreudig eintraten. Sein Anschlag, der die jüdischen Aerzte von der Bewerbung ausschließt, verträgt sich weder mit der Kommersrede des Ministers von Rheinbaben, noch mit der Reichskanzler-Rede gleicher Tendenz in der Reichtagssitzung vom 17. März 1905, noch läßt er sich in Einklang bringen mit der sonst am schwarzen Brett geübten Objektivität. In der Ostmarken-Politik scheinen wirklich Theorie und Praxis im Widerspruch stehen. Unter der Ueberschrist: „Vom Schnüffeln in Privat, angelegenheiten" schreibt der „Vorwärts": „Wenn unsere Feinde vor Langweile nichts anderes wiffen, dann tüfteln sie über die Stellung der Sozialdemokratie zum Judentum. So geschieht es auch in einem Artikel „Sozialdemokratischer Antisemitismus", den der „Reichsbote" veröffentlicht. Der Titel paßt nicht recht zum Inhalt, den« in sinniger Anlehnung an den ehrbaren Grundsatz, daß ein Blatt, das sich nicht zur „Revolverpreffe" rechnet, außer bei zwingender Veranlassung das Privatleben auch semer politischen Gegner unangetastet lassen soll, werden nicht allein bekannte Sozialdemokraten deshalb mit Namen aufgeführt, weil sie ihren Stammbaum auf die Erzväter zurückführen können, sondern es wird auch nach solchen Sozialdemokraten geangelt, die in jüdische Familien hineingeheiratet haben. Ein Sozialdemokrat kennt keine Raffenvorurteile und an sich läßt ihn der Vorwurf, daß er jüdisch oder mit Juden verwandt oder befreundet sei, so kalt wie nur irgend einer. Aber wenn einmal albernerweise ein Sozialdemokrat aus