Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 283 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 283 kaufmännischer Vereine", die in Eisenach stattfand, im Aufträge des Staatssekretärs folgende Erklärung abgegeben hat: „Wenn Herr Graf von Posadowsky im Reichstage gesagt habe, die Handlungsgehilfen stünden auf deutsch-nationalem Boden, so habe er damit nicht etwa sagen wollen, sie stünden auf dem Boden des „Deutsch-nationalen Handlungsgehilsen-Verbandes". Daß es einen Verein dieses Namens gebe, sei ihm nicht bewußt gewesen; er kenne die Namen der verschiedenen Verbände so genau nicht. Der Sinn seiner Worte habe nur der sein sollen, die Gehilfen seien nicht radikal, sondern national gesinnt." Diese „nachträgliche Aus- .legung seine Worte" durch den Staatssekretär selbst glaubt di „Staatsbürger-Zeitung", wie sie sagt „im Namen der politischen Aufrichtigkeit", richtiger aber wohl im Interesse der weiteren antisemitischen Beeinflussung zahlreicher Handlungsgehilfen, „entschieden zurückweisen zu müssen". Die Art dieser Zurückweisung erinnert lebhaft an Goethes Wort: „Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob Du bist?" — In dem „Der hinkende Bote" überschriebenen Leitartikel des Antisemiten-Moniteurs lautet nämlich eine besonders kräftige Stelle wie folgt: „Gesunder Menschenverstand kann schlechterdings dem Staatssekretär des Innern, der einst des vielgewandten Hansemann Nachfolger werden sollte, solch elementare Unkenntnis nicht unterstellen, daß ihm die Existenz des Deutsch-nationalen Handlungsgehilsen-Verbandes nicht bewußt gewesen wäre. Jeder halbwegs gebildete Mann, jeder Subalterne im Ministerium des Innern hätte dem Staatssekretär darüber Aufklärung geben können, daß der Deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband trotz der ungeheuerlichen Hemmniffe, die ihm in den Weg gewälzt worden sind, alle ähnlichen Verbände weitaus überflügelt hat, daß er soziale Einrichtungen geschaffen hat, dis in ihrer Art einfach konkurrenzlos find. Wenn Graf Posadowsky in der Tat von alledem nichts gehört haben will, so hat er sich mit diesem Bekenntnis ein Armutszeugnis ohnegleichen ausgestellt. Man kann zwar auch aus einem elenden Gaul gar stolz im Sattel sitzen, aber nicht auf einem Ministerseffel, wenn einem die elementarsten Kenntnisse ebenso gänzlich fehlen, wie der Sinn für die Bedeutung des öffentlich gesprochenen Wortes.Mag sein, daß der alte Babelfluch noch immer auf uns lastet, und daß auch heute zumeist noch der eine den anderen nicht versteht. Will sich der Realpolitiker Posadowsky, dessen Redebächlein sonst gar so nüchtern dahinflicßt, hinter diese philosophische Resignation verkriechen, so mag das angehen. Dann soll er aber seine Ministerwohnung schleunigst räumen, soll auch alle