Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 278 (sequence 1)
- Language
- German
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278 3m deutschen Reich. Umscha«. DMtenn in dem im Aprilheft dieser Zeitschrift veröffentlichten Aussatze „Wie Ritualmord - Märchen gedichtet werden" gesagt wurde, «.es lohnt wirklich einen Bllck in die Hexenküche zu werfen, in der solche antisemitische Tränkchen gebraut werden", so gilt dies nicht nur von der Auffrischung uralten Pöbelwahns zu Hetzzwecken, sondern auch von einer Art der Aufreizung, die sich in glatteren Formen vollzieht und durch volkswirtschaftliche und nationale Theorien und Phrasen das verbrämt, was im Grunde auch nichts weiter ist als ein Appell an die schlimmsten Instinkte der Massen. In dieser Kunst, die eines Hexenmeisters würdig ist, scheint es der Literarhistoriker Adolf Bartels in Weimar ziemlich weit gebracht zu haben. Die antisemitische Weisheit, die er in den „Deutsch-Sozialen Blättern" verzapft, wird bereits in derchristlick-sozialen Zeitschrift „Das Reich" auch jenen Handwerkern und Arbeitern kredenzt, die zur Heeresfolge Stöckers, des sogenannten „Vaters des Antisemitismus" gehören und sich willig an dem alten Trank aus neuen Schläuchen berauschen. Alt ist ja doch die Manier des thüringischen Literarhistorikers, die Macht des Judentums künstlich aufzubauschen, sie als eine politische und wirtschaftliche Gefahr hinzusteüen und damit ängstliche Gemüter graulen zu machen. Ebensowenig neu sind die Mittel, deren Anwendung er empftehlt, um diese von ihm weit übertriebene Macht einzudämmen, wobei er zwar von Gewalttätigkeiten abrat, aber diese als unausbleiblich bezeichnet, wenn die von ihm bitter gehaßte Bevölkerungsminderheit nicht auf gesetzlichem Wege recht- und schutzlos zu machen ist und ihr nicht alle Exiftenzmittel unter dem Scheine des Rechts zu entziehen sind. Als eine solche Giftmischerei stellt sich der von Adolf Bartels veröffentlichte Artikel „Die Aussichten im Kampfe mit dem Judentum" dar, der zuerst in den „Deutsch-Sozialen Blättern" veröffentlicht und dann in mehreren anderen Antiscmitenblättern auszugsweise abgedruckt wurde. Mit unverkennbarer Schadenfreude wird darin die traurige Tatsache festgestellt, daß die antisemitischen Parteien bereits greifbare Erfolge in gesellschaftlicher Beziehung errungen haben und dadurch wieder eine Scheidewand errichtet worden ist, welche die mühsam niedergerissenen Ghetioschranken nahezu ersetzt. Aber dies genügt Herrn Bartels noch lange nicht; er will die „Arier" auch von dem