Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Ihr sollt an meinem Wort nicht drehn noch deuteln
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 268 (sequence 1)
- Language
- German
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oeurscyen meh% Ihr soM an meinem Wort nicht dreh» noch deuteln. Zeitgemäße Betrachtungen von Henriette Fürth.. Frankfurt a. M. Die Sage geht in deutschen Landen, Als Richtschnur sei ein Spruch vorhanden. Der hell erklingt an jedem Ort, Der treue Rat: Ein Mann, ein Wort! SU nd int Zusammenhang damit stellt sich mir ein anderes Wort dar, das da lautet: „Ihr sollt an meinem Wort nicht drehn noch deuteln!" Ich mußte daran denken, als ich jüngst den Reichstagsbericht vom 23. März las: Ein großes Reserve- und Landwehroffizierkorps hat einen Reserveoffiziers-Aspiranten abgelehnt, weil er — ein Jude war. Darob große Entrüstung im Kriegs-Ministerium. Dem kommandierenden General wird sofort amtlich mitgeteilt, daß dies unmöglich ein Grund sei, um einen jungen Mann, der im übrigen das Qualisikations-Attest habe, abzulehnen. Darauf Neuwahl und wiederum einstimmige Ablehnung durch das vorwiegend aus Kaufleuten, Lehrern und allerhand Vertretern politisch-liberaler Richtungen (so sagte der Herr Minister) zusammengesetzte Korps. Nun sind die Oberen machtlos, denn der Mann ist ja nicht abgelehnt, weil er Jude, Gott bewahre, sondern einfach, weil er nach Ansicht des richtenden Kollegiums — nicht qualifiziert ist. Worin diese Nicht-Qualifikation bestand und tausendfach besteht, wird wohl ein ewiges öffentliches Geheimnis der betreffenden Körperschaften bleiben. Aber es gibt Fingerzeige, solchen Geheimniffen auf die Spur zu kommen. Herr v. Einem führte aus: „Die Juden dienen nicht schlecht, gewiß nicht. Aber nicht nur in den höberen Kreisen, sondern bis tief in die Bevölkerwig hinein besteht ein Gegensatz zu den Juden. Der jüdische Kamerad gefällt nicht; aber er muß ertragen werden." Endlich ein Schimmer von Ehrlichkeit, pardon Aufklärung. So also sieht der Mangel an Qualifikation aus! Die Juden tun ihre Schuldigkeit im Frieden und würden sie auch im Kriege tun. Davon ist der Herr Minister überzeugt. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß sie zu höheren militärischen Chargen nicht — qualifiziert sind. Man greift sich unwillkürlich an den Kopf, wenn man dann denselben Minister weiter sagen hört: „Die jüdische Religion kann unter keinen Umständen einen Grund abgeben, jemanden nicht zu befördern!'' Belehren wir den Herrn Minister zum — zum wievielten Male ist es doch'? Ich kann, meiner