Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Ein preußischer Staatsminister vor 120 Jahren über die Juden
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 247 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 247 gehaltenen Vorträgen über die Bevölkerung der preußischen Staaten in überaus merkwürdiger Weise über die Juden. Die Erinnerung an die hier gleich folgende Stelle dürfte in unserer Zeit denen recht unbequem sein, die sich heule die Juden weder als Osstziere noch als Richter gefallen lassen wollen. Wenn auch seine Vorschläge nicht frei von Kuriosität sind, so verdient doch sein ehrliches Streben, die Juden von dem auf ihnen lastenden Druck zu befreien und sie in der bürgerlichen Gesellschaft zu heben, dankbares Gedenken. Seiner energischen Befürwortung der Judenemanzipation verdankten die Juden unter Friedrich Wilhelm II. manche Aufhebung alter Schranken. Die Stelle lautet: „Es ist wirklich schade, Laß diese Nation (die Juden) im Staate nicht bester genutzet wird, als wirklich gefchiehet. In den sämmtlichen Königlichen Ländern, Westpreußen ausgenommen, sind 1600 Judensamilien, welche an Judensteuern und andern Abgaben 50,000 Thaler bezahlen. Was will dieses aber sagen gegen den großen Vortheil, den sie dem Lande leisten könnten, wenn sie zu Kriegsdiensten gebraucht würden? Es ist kein stolzeres Geschöpf auf dem Erdboden als der Jude. Der Soldatenstand würde die Nation aus der Verachtung reißen, darin sie jetzt lebt, und dasjenige Land würden die Juden bis zum Enthusiasmus liebgewinnen, in welchem man sie so hoch ehrere. In den alten Zeiten haben die Juden in den Asiatischen Kriegen der Römer als Hülfstruppen sehr oft an der Seite der römischen Legionen gefochten, welche sich solches niemals zur Schande rechneten. Basnage sagt in seiner Historie äes Juifs, daß die Juden im Jahre 1648 Prag wider die Schweden vertheidigen halsen und in der Belagerung von Ofen 1686 wider die Türken fochten. Vor zwei Jahren, in dem jetzt beendigten Kriege zwischen den Holländern und Engländern, diente eine große Anzahl Amsterdamer Juden als Freiwillige auf der Holländischen Flotte, wozu sie der Oberrabbiner förmlich einsegnete. In der Preußischen Armee könnte ihnen kein besserer Platz angewiesen werden, als wenn man sie zu Husaren machte. Hier würden sie vortreffliche Dienste thun. Ihr morgenländisches hitziges Temperament würde sie in Attaquen wütend machen, ihre Schlauigkeit und verschmitztes Wesen können sie beim Rekognosciren vortrefflich verwenden, sie sind körperlich agil und haben durchgängig eine Passion für Pferde und zum Reiten. Um ihren Ehrtrieb völlig anzuflammen, müßten sie ein besonderes Korps ausmachen, und keine anderen als jüdische Olfiziers und jüdrsche Chefs haben. Ein Oberster Ephraim und ein Major Jtzig dürsten an der Spitze ihrer Husaren-Eskadrons vielleicht Wunder der Tapferkeit thun. Denn 1600 Judenfamilien, wenn ich