Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 239 (sequence 6)
- Language
- German
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Dereinsnachrichten. 338 zu Norddeutschland in Bayern der Antisemitismus nicht von oben, sondern von unten kommt, die Religionssreiheit der Juden in keiner Weise ernstlich gefährdet erscheint, die nicht zu et kennende Verschlimmerung der Verhältnisse aber sich nicht auf die Regierung, sondern nur auf deren große Rücksichtnahme auf den durch das Abgeordnetenhaus zum Ausdruck gebrachten Volkswillen zurückzuführen sein dürste. Der Redner kennzeichnete deshalb in scharfen Zügen die Stellung, welche dabei die größten Parteien in Bayern (Zentrum, Liberale, Bauernbund, Sozialdemokraten und Christlich-Soziale) den Juden gegenüber einnehmen. Er verhehlte nicht, daß das in Bayern sich sehr demokratisch gebärdende Zentrum, trotzdem es behufs Aufrechterhaltung seiner Volkstümlichkeit der starken Beteiligung der Juden an dem Güterhandel, Viehhandel und dgl. gegenüber, einzelne Juden bekämpft, doch die geschäftliche und gesellschaftliche Isolierung aller Juden nicht so eifiig bewirkt, wie einzelne große Bevölkerungsschichten, die sich seltsam genug zu den Liberalen rechnen. Die Liberalen rekrutieren sich aus sehr verschiedenen politischen Kreisen. Trotzdem früher hervorragende Juden an der Spitze der Liberalen standen, hat diese Partei dem judenfeindlichen „Anträge Heim" gegenüber sich nicht genügend energisch verhalten und in neuerer Zeit keine jüdische Kandidatur gefördert, was sich hoffentlich in nächster Zeit ändern wird. Das Verhalten der bayerischen Sozialdemokraten ist ein ähnliches, das des Bauernbundes, trotzdem er im allgemeinen viel freiheitlicheren Grundsätzen huldigt als der „Bund der Landwirte", ein fast ebenso judenfeindliches wie das der Christlich-Sozialen, die die Boykottierung der jüdischen Geschäfte rasilos betreiben und dazu auch mit Erfolg sich der Vereinigungen von Frauen bedienen. Von der Presse haben die Juden in Bayern sehr geringen Vorteil, da sie selbst auf liberale Blätter keinen wesentlichen Einfluß ausüben können, für deren dem Zentrum mißfällige Kundgebungen aber stets verantwortlich gemacht werden, so daß Organe, die für die Juden selten oder nie ein Wort einlegen, dann sofort der sogen. »Judenpresse" zugezählt werden. Der gesellschaftliche Verkehr leidet in Bayern unter allen diesen Verhältniffen; der Anschluß an die liberale Bevölkerung ist in den Städten vielfach erschwert, und auf dem Lande bi.ten fast nur noch die zum Zentrum gehörenden Kreise eine Zufluchtstätte für die Juden. Angesichts dieser Verschlimmerung ihrer Lage haben die bayerischen Juden, denen niemand mit Recht „Quietismus" zur Last legen kann» schon seit Jahren einen „Ausschuß zur Abwehr des Antisemitismus" geschaffen, der eifrig tätig ist, bei Preß-