Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Frankfurt a. Main
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 231 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 281 X Frankfurt a. Main, 1. April. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet: „Der Unteroffizier Heinrich Schmidt von der 6. Komgagnie des 3. Fußartillerie - Regiments zu Mainz bekam im Herbst 1902 eine Rekrutenkorporalschaft zur Ausbildung. Wie es dabei zuging, enthüllte zwei Jahre später nach seiner Entlaffung zur Reserve der Kaufmann Jakob Koplowitz. Während seiner Dienstzeit hatte er aus Angst vor noch schlechterer Behandlung geschwiegen; nun erstattete er dem Bezirkskommando Karlsruhe Anzeige. Koplowitz hatte von dem Unteroffizier besonders viel auszustehen, weil er Jude war. Er wurde fast nie anders als „Jtzig" und „dreckiger Jud" genannt und fast täglich mißhandelt. Weil er beim Marschieren die Fußspitzen nicht genug herabdrücken konnte, trat ihm der Unteroffizier auf die Füße; zur ^Verbesserung seiner Haltung" gab er ihm Rippenstöße; in der Putzstunde schlug er ihn gegen das Kinn. Einmal bekam er auch Schläge mit dem Rohrstock, weil er das Bett des Unteroffiziers nicht zu dessen Zufriedenheit „gebaut" hatte. Der Unteroffizier ließ seine Rekruten oft 15—20 mal hintereinander die Betten machen. Nach dem Zapfenstreich, wenn die Rekruten ermüdet in ihren Betten lagen, richtete der Unteroffizier Fragen an fie; wer ste nicht beantworten konnte, mußte im Hemd Kniebeuge machen oder Gewehr strecken. Außer Koplowitz erhielten auch andere Rekruten Ohrfeigen, Tritte auf die Füße und Schläge. Das Gouvernementsgericht in Mainz hatte fortgesetzte Handlung angenommen und den Unteroffizier wegen vorschriftswidriger Behandlung Untergebener in sieben Fällen, sowie wegen Beleidigung des Koplowitz zu einer Gesannstrase von einem Jahr Gefängnis und Aberkennung der Tressen verurteilt. Der Angeklagte und der Gerichtsherr hatten jedoch Berufung eingelegt und so wurde die Sache auch vor dem Oberkriegsgericht verhandelt. Schmidt wollte nur iw Eifer des Dienstes gehandelt haben, um seine Korporalschast hoch zu bringen; er bezeichnete den Koplowitz als einen Soldaten, mit dem er viel Mühe gehabt habe. Koplowitz ist aber später zum 4. Fußarüllerie-Regiment versetzt worden und sein dortiger Hauptmann hat ihm ein gutes Zeugnis gegeben. Mit tränenerstickter Stimme erklärte er, sein Vater habe 1870 mitgemacht und er selbst \n rmt Stolz Soldat geworden, aber unter dem Antisemitismus des Unteroffiziers habe er mehr zu leiden gehabt, als die andern. Die frühere Behauptung des Unteroffiziers, der Rekrutenofstzier Leutnant dreißig habe auch geschlagen, bezeichnete er als unwahr; im Gegenteil habe der Leutnant gesagt, er solle geschont werden, weil er erst eine Krankheit überstanden hatte. Die übrigen Leute der Korporalschaft