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Im deutschen Reich · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Bilder aus dem Reichstag
Date
1905-04-01
Page
197 (sequence 8)
Language
German
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Bilder aus dem Reichstag. 197 Das ist die Pflicht jedes Ehrenmannes. (Unruhe rechts.) Herr Liebermann v. SonnenLerg hat bis zu dieser Stunde diese Pflicht versäumt. Es kann ihn auch nicht entschuldigen, daß er keine Gelegenheit dazu gehabt hätte; der Präsident hätte ihm gewiß die Erlaubnis zu einer entsprechenden Erklärung gegeben. Im Gegenteil, bei der ersten Etatsberatung hat Herr Liebermann v. Sonnenberg am n. November 1904 über die Wehrfteuer sprechend gemeint, die Judenschaft würde wohl damit einverstanden sein, wenn sie vom Kriegsdienst befreit und dafür entsprechend eingeschätzt würde. Schon der Abg. Schräder hat damals diese neue Beleidigung der Juden zurückgewiesen, die ebenso in sich zusammenfällt wie die früheren. Das ganze Verbalten des Herrn v. Liebermann beweist für mich nur eins, nämlich, wohin Rassenhaß und Glaubenshaß schließlich führen müssen." Aus diese Anklagen mußte der Abg. Liebermann v. Sonnenberg einräumen, Kenntnis von dem Schreiben des Generals erhalten zu haben. Mehr noch, der Reichstagspräsident hatte ihm sogar nahegelegt, daß er ihm vor der Tagesordnung zu einer berichtigenden Bemerkung das Wort erteilen wolle. Auf dieses Anerbieten glaubte der öffentliche Ankläger nicht eingehen zu dürfen, da er in der dritten Lesung ausführlicher antworten wollte. Zu dieser Antwort aber fand er — er weiß heute nach seinen Angaben selbst nicht wehr, aus welchen Gründen — „zu seinem großen Bedauern" bei der dritten Lesung keine Gelegenheit, bis er, vom Abg. Eickhoff gestellt, sich der Erörterung der Angelegenheit, nachdem ein volles Jahr vergangen, nicht mehr entziehen konnte. Anstatt aber nun wenigstens der Wahrbeit die Ehre zu geben und seine ungerechtfertigte Beschimpfung ohne Umschweife zurückzuuehmen, sucht er die Schuld an dem „Irrtum" von sich abzuwälzen, so daß der Abg. Eickhoff die Diskussion mit den Worten abbrechen mußter „Ich habe behauptet und halte aufrecht, daß Abg. Liebermann von Sonnenberg bis zu dieser Stunde verabsäumt hat zu tun, was Pflicht jedes Ehrenmannes ist, einen unberechtigten Vorwurf wieder gut zu machen, den er unter dem Schuhe der Immunität gegen einen unbescholtenen Staatsbürger erhoben hat." So stellt sich das Bild eines Mannes dar, der die „deutsche Treue" in Erbpacht genommen hat. Wahrheitsliebe und Gerechtigkeitsgefühl sind Tugenden, die sich mit den Eigenschaften eines echten Antisemiten schlecht vertragen. Quod erat demonstrandum. IIL Die Schmach des Jahrhunderts. Nach diesen Darlegungen wird es niemanden verwundern, wenn cni anderer Führer der Antisemiten, der Abg. Bnchn, in der gleichen

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