Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Bilder aus dem Reichstag
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 195 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Silber aus dem Reichstag. 195 (Heiterkeit.) Also gegen jüdische Soldaten ist nichts zu sagen, und ich bin der Ueberzeugung, daß sie auch tatsächlich überall ihre Schuldigkeit im Frieden Lun. und daß sie sie auch im Kriege Lun würden. Sie können sich darauf verlassen» daß ich überall da, wo mir Klagen zukommen, daß Einjahrig-Freiwillige nicht zu Unteroffizieren befördert worden sind, daß Unteroffiziere nicht das Qualifikationsattest bekommen haben, diesen Klagen auf das gewissenhafteste nachgegangen Lin. Ich habe mir die Zeugnisse kommen lassen, und ich habe auch gefunden, daß darin genau angegeben ist, der betreffende junge Mann ist aus dem und dem Grunde nicht geeignet, zum Reserveoffizier befördert zu werden. Sie können jedem sagen, der es hören will, daß die jüdische Religion unter keinen Umständen einen Grund abgeben kann, jemand nicht zu befördern. Ich von meinem Standpunkt glaube deshalb meiner Pflicht genügt zu haben, und mehr können Sie von mir nicht verlangen." (Beifall) Nach diesem Glaubensbekenntnis steht der Kriegs minister auf dem Standpunkt der Verfassung; vor dem Justizminister, dem berufenen Hüter des Rechtes, hat er wenigstens das voraus, daß er sich nicht mit der bloßen Redensart begnügte, er übernehme die vollkommene Verantwortung für die Dinge, wie sie liegen. Werden nun die Juden Offiziere im deutschen Heere werden können? Wird die Zahl der jüdischen Reserveoffiziere eine Steigerung erfahren? Wird der jüdische Glauben in Zukunft nicht die ausschlaggebende Eigenschaft, die eine Beförderung hindert, im Qualifikationsattest bilden? Wer wollte so optimistisch sein, das als den Effekt der Behandlung der Frage im Reichstage hinzustellen! Es werden sich eben in jedem Einzelfalle Gründe finden lassen, das Prinzip ohne flagrante Verletzung der Zusage des Kriegsministers zu retten, und die Offizierkorps nach wie vor „judenrein" zu erhalten. Und dennoch können und müssen wir mit dem Ausgang dieser Verhandlungen vorläufig zufrieden sein, die vor der breiten Oeffentlichkeit dargetan haben, wie es zur Zeit noch um die Gleichberechtigung der Juden im deutschen Reiche steht. IL Ein antisemitischer Edelmann. Unsere Abwehrbestrebungen legen uns die wenig angenehme Pflicht auf, in der Oeffentlichkeit darzutun, wes Geistes Kinder die Führer unserer Gegner sind. Manche der leitenden Männer der antisemitischen Partei haben durch ihr Verhalten eine Selbstkritik geübt, die sie, auch ohne Zutun anderer, in den Augen selbst der