Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 180 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Zrn deutschen Reich. Kolonisation, bei der diese Fehler vermieden wurden, sei in Kalifornien geschaffen worden, wo man mit Erfolg die von den Herren vr. Franz Oppenheimer und Proseffor Dr. Marburg für die jüdischen Kolonien empfohlenen Grundsätze — genossenschaftlicher Betrieb, Erwerbung von BesitzrechL durch Arbeitsleistungen, Kapitalschaffung durch Kredit- Institute und Verbindung lohnender Industrien mit der Bodenkultur — zur Anwendung brachte. Diese Art der Kolonisation sei geeignet, vorbildlich zu wirken. Der Vortragende bekannte sich am Schluß zu denen, die nicht an die Zuführung der Juden zum Ackerbau überschwängliche Hoffnungen knüpfen, da auch auf die Verwertung der vielen Juden eigenen hohen geistigen Fähigkeiten Gewicht zu legen sei. Er zweifle aber nicht daran, daß wenn der Ackerbau nicht einseitig betrieben werde, Wissenschaft und Industrie und Handel außerdem Pflege und Förderung fänden, die Vermehrung der Berusszweige den Juden zum größten Segen gereichen werde. Lebhafter Beifall belohnte diese Ausführungen, denen der Vorsitzende noch warme Anerkennung zollte. — Nach kurzer Pause ergänzte Herr Rabbiner vr. Wohlberg den reichen Inhalt des Vortrags dadurch, daß er der großen Verdienste des kürzlich verstorbenen Konsuls Moritz Alexander Simon in Hannover um die Erziehung der jüdischen Jugend zur Bodenkultur gedachte. Es sei zu wünschen, daß der Judenheit noch viele solche Männer, wie Simon, geschenkt würden, dessen Namen durch die Begründung der Musteranstalt Ahlem für immer mit der Sache der Bodenkultur verknüpft sei. — In schwungvollen Worten bot dann Herr Generalsekretär vr. Tuch eine weitere Ergänzung des Vortrags durch Darlegung der Verdienste der Herren vr. Franz Oppenheimer und Proseffor vr. Marburg um die planmäßige Organisation der Kolonisation und durch den Hinweis auf die von der „Gesellschaft zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" auf deutschem Gebiete geschaffenen Anfänge, durch die deutsche Bauern jüdischen Glaubens herangezogen werden, die in ihm die überschwänglichen Hoffnungen kräftigen, zu denen er sich im Gegensätze zu dem Vortragenden offen bekenne. Auch diesem Redner wurde reicher Beifall zu teil. Nachdem in der weiteren Debatte noch der Wunsch zum Ausdruck gebracht war, daß auch einmal im Norden oder im Zentrum eine allgemeine Vereinsversammlung stattfinden möchte, wurde die Gruppenversammlung geschloffen. Wie wir im vorigen Hefte dieser Zeitschrift mitgeteilt haben, brachte die antisemitische Zeitschrift „Deutsche Hochwacht" am 15. Februar aus Anlaß des Verschwindens eines siebenjährigen Knaben eine „Frühjahrsbeute?" überschriebene Notiz, welche die früheren