Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 Im deutschen Reich. Rechtsanwalt Chodziesner-Charlottenburg und S. Wreschner-Berlin neu gewählt wurden. Sie alle haben sich bereits bis jetzt als außerordentlich eifrige und treue Mitglieder der Kommission bezw. des Vorstandes bewährt. Unser Bureau ist in dem alten Status verblieben. Die Beamtenzahl ist nicht vermehrt worden. Daß trotzdem die Arbeit glatt erledigt wurde, ist in der Tat nur dem rühmlichen Eifer und dem wirklich nie versagenden Fleiße unseres Bureaus und der Spitze, des Generalsekretärs, zu danken, der — ich kann wirklich sagen — bei Tag und bei Nacht nicht nachläßt, für den Verein tätig zu sein. Auch die übrigen Beamten haben in vollstem Maße ihre Schuldigkeit getan. Daß im Bureau eine kleine Veränderung vor sich gegangen ist, will ich bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen. Die Dame, die unsere Schreibmaschine viele Jahre bedient hat, hat sich inzwischen — es ist das ja gerade besonders erfreulich und deshalb mag es erwähnt sein — mit dem zweiten Rabbiner von Dresden verlobt und wird demnächst Hochzeit feiern. (Heiterkeit und Bravo!) Sie sehen also, daß gute Arbeit auf unserem Gebiete sich belohnt. (Heiterkeit). Neben den Versammlungen, die wir abgehalten haben, ist ein Hauptmittel für die Ausbreitung unserer Joeen das Publikations- Wesen. Wr haben neben unserer ständigen Publikation, der ZeiLschrist „Im deutschen Reich", bisweilen auch Extrapublckationen vornehmen müssen. Was die Zeitschrift betofft, so ist ihre Auflage seit ihrer Begründung von 4000 auf über 17 000 Exemplare gestiegen. Sonst haben wir in diesem Jahre noch das Flugblatt gegen den Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband erscheinen lasien. Es dürfte vielen unter ihnen, wenigstens den Kaufleuten, im wesentlichen bekannt sein, wenn es auch bei weitem gerade in kaufmännischen Kreisen noch nicht so bekannt ist, wie es verdiente und nötig wäre, daß eine stramme antisemitische Organisation der Handlungsgehilfen in Deutschland existiert. Sie nennt sich einigermaßen harmlos: Deutsch-nationaler Hanclungsgehilfen-Verband, und mancher, namentlich mancher Prinzipal glaubt, dahinter nur einen Handlungsgehilfen- Verband wittern zu sollen, der auf Deutschland seine Tätig! nt beschränkt. „Deutsch-national" ist hier aber einfach mit antisemitisch zu übersetzen; Juden finden keine Aufnahme, und gegen Juden wird agitiert, wo es denkbar ist, und gerade die jüd-schen Prinzipale sind nicht die letzten, gegen die sich die ausgedehnte Tätigkeit dieses Verbandes richtet. Wir haben wiederholt konstatieren müssen, daß Mitglieder dieses Verbandes in jüdischen Geschäften die allerschlimmsten