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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 119

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Was wollen die Antisemiten? [Rezension]
Date
1905-02-01
Page
119 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 119 Wenn hier der Christ das Judentum höher stellt als alle anderen Religionen, so ist das seine Sache; wenn er aber die heutigen Juden die „Aristokratie des Geistes", die „Elite unter den Völkern" nennt, so müssen wir uns gegen solche Auszeichnung verwahren; nur eine Spur von Berechtigung würde sie haben, wenn der österreichische Verfasser dabei ausschließlich an die Juden in Halb-Asien gedacht hätte, die die andersgläubige, besonders bäuerliche Bevölkerung an geistiger Regsamkeit übertreffen. So lange die Juden einen nationalen Staat bildeten, standen sie unt-r den Kulturvölkern in erster Reihe; heute haben wir keinen anderen Ehrgeiz, als in friedlichem Wettbewerb mit den christlichen Mitbürgern unsere Gaben zu entwickeln und tätig Zu sein zum Wohle des Landes, das unsere Heimat ist. Auch die Ausnahmegesetze, die der Autor gegen unsere Angreifer verlangt, lehnen wir ab. Auf dem Boden des gemeinen Rechts sind wir geschützt genug, wenn nur jede Regierung ihre politische und sittliche Pflicht erfüllt. Die Hilfe, die der jugendliche Verfasser uns bringen will, wird unwirksam bleiben, weil er es nicht für angezeigt gehalten hat, mir seinem Namen hervorzutreten. Im Kampfe der Geister muß das Visier offen fein. Was die Lektüre des Buches so unbehaglich macht, das sind die vielfachen Uebertreiöungen und Verallgemeinerungen nach beiden Seiten hin, die, abgesehen von dem Verstoß gegen die objektive Wahrheit, gefährlich sind, weil sie dem Angriff ein bequemes Ziel bieten. Wir dürfen uns nicht die Kampfesweise unserer Gegner zu eigen machen und gegen sie jene gehässigen Generalisierungen anwenden, die nach Lazarus'treffendem Worte nicht ein logischer Fehler des Kopfes, sondern des Herzens sind. Gar zu oft verfährt der Verfasser nach der Formel: Die Juden betrügen nicht, die Christen betrögen! Der Autor bringt ein reiches Material, er hat die einschlägige Literatur: Andree, Auerback, Leroy-Beaulien, Told benutzt und erweist sich als Kenner der philo- und antisemitischen Streitschriften. Nach der Ansicht des Anonymus sind alle gesellschaftlichen Schichten dem Antisemitismus verfallen. Die Zivilisation ist bei den Marnern der Kunst und Wissenichast nur Firniß. Der Haß des Volkes gegen die Juden beruht im letzten Grunde auf der mangelnden Kenntnis vom Judentum. Die gewählten Gesetzgeber zeigen eine krankhafte Scheu vor der Wahrheit, und statt die Instinkte des Volkes in richtige Bahnen zu lenken, hetzen sie seine Leidenschaften aus. Aufklärung zu verbreiten, ist die Pflicht jedes rechtlich Gesinnten. Der Verfasser charakterisiert das törichte Geschrei über das Anwachsen des jüdischen Kapitals, dem schließlich sich die Regierungen

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