Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Von einem Vereinsmitgliede wird uns geschrieben [Rezension]
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 118 (sequence 3)
- Language
- German
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118 Im deutschen Reich. Begründung seiner Forderung der Entrechtung der Juden sich mit darauf beruft, daß sich angeblich bei den Inden selbst wehr und mehr das Bewußt fein ihrer besonderen Nationalität durchringe und daß sich angeblich die Fälle wehren, in denen hervorragende' Juden und auch jüdische Zeitungen den jüdischen Nationalismus bekennen. Richtig daran ist nur, daß die Rassenhetze, wie sie von Antisemiten und Alldeutschen betrieben wird, bereits auch Gegenreaktion erzeugt hat. Daß diese aber in Deutschland nur einen ganz verschwindenden Boden hat, mag ja vielleicht Hasse wissen, aber er spricht es nicht klar aus. Daß der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der weitaus größte Verein jüdischer Deutscher, grundsätzlich auf nationaldeutschem Boden steht, bedarf angesichts seines Programms kaum einer besonderen Hervorhebung. Oft Mcherscharr. Was wollen die Antisemiten? Von Di', jur. et pliil. Leu z U kraTny. Rostock i. M. C. I. E. Volckmann 1905. 128 S. Die neueste Schrift zur antisemitischen Bewegung ist seltsam wegen ihres Inhaltes, noch seltsamer wegen ihres Verfassers. Leu z Ukrai'ny ist das Pseudonym eines jungen höheren österreichischen Staatsbeamten von Adel. Dieser Mann fühlt sich von den Verleumdungen gegen die Juden und ihren Glauben so angewidert, von den gegen wehrlose Männer, Frauen und Kinder verübten Greueltaten so im Innersten empört, daß er unserer Religion zum Verteidiger sich erhebt und von den Regierungen aller Länder besondere Maßnahmen, Ausnahmegesetze gegen die Hetzer verlangt, insbesondere gegen Geistliche und Lehrer, die ihren Beruf zur Agitation mißbrauchen. Die Gesinnung des Dersaffers ist uw so rühmlicher, je seltener wir ihr bei Andersgläubigen begegnen. Er hat aus dem Studium der jüdischen Religion eine Liebe zu ihr gewonnen, die sich zuweilen zur Begeisterung steigert, und wir würden uns dieser Verehrung für das Judentum und seine Bekenner ehrlich freuen können, wenn — diese Verehrung sich nicht mit Haß gegen das Chriftentuw paarte, (p. 48: „Alle anderen Religionen als das Judentum sind jeder Ethik bar".) Wir Juden befehden in dem uns seit einem Vierteljahr- Hundert aufgedrungenen Kampfe nicht das Christentum; wir bekämpfen auch nicht die Christen, sondern nur diejenigen, die unter dem Deckmantel des Christentums uns unsere Lebensbedingungen abschneiden wollen und uns in unseren heiligsten Gefühlen verletzen.