Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Lewin, Dr. Louis [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 56 (sequence 1)
- Language
- German
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56 Im deutschen Reich. Mcherscha«. Lewi«, vr. Louis, Rabbiner in Pinne, Geschichte der Juden in Lifsa. Herausgegeben mit Unterstützung der Geseüschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Pinne 1904. N. Gundermann. 3° V und 401 S. Louis Lewin, der sich bereits durch mehrere Schriften um die Erkenntnis der Vergangenheit der jüdischen Gemeinden in der Provinz Posen verdient gemacht hat, gibt in dem vorliegenden Werke eine auf ausgedehnten archivalischen Studien beruhende „Geschichte der Juden in Liffa". Der Fleiß und die Gelehrsamkeit des Verfaffers und die bedeutende Rolle, welche gerade die Lissaer Gemeinde durch ihre Zahl, ihre bevorrechtete Stellung gegenüber anderen Gemeinden, sowie durch eifrige Pflege jüdischer Wissenschaft gespielt hat, bewirken, daß das Buch als ein höchst nützliches bezeichnet werden muß. Auch den Geschichtsfreunden bietet es viel mehr als die Mehrzahl der übrigen, sich oft in gleichgiltige Details verlierenden Darstellungen der Geschichte einzelner jüdischer Gemeinden. Aus dem reichen Inhalt des Buches sei an dieser Stelle mitgeteilt, daß es in Lifsa zahlreiche jüdische Handwerker gab, von denen die Schneider, Goldschmiede, Goldsticker, Schlosser, Gerber, Barbiere und Sackträger besondere jüdische Innungen bildeten. Auch die jüdischen Musiker erhielten von den Grundherren Liffas eigene Privilegien; in diesen wurden ihnen das Recht verbrieft, auch den Christen außer bei deren Hochzeiten und Taufen aufzuspielen. In Liffa erlernte auch Jacob Abrahamson aus Mecklenburg-Strelitz die Wappen- und Steinschneidekunst, der später als Meister in derselben viele Anerkennung fand, und mit ihr von 1752 an über 50 Jahre lang dem preußischen Staate diente. In anderer Hinsicht intereffant ist ein von Lewin S. 128 besprochener Brief des Berliner Hofpredigers Jablonsky vom 25. Juli 1722 an den Juden Behrend Lehmann, der damals als Pfandinhaber der Lissaer Grundherrschast die dieser zustehenden Hoheitsrechte in der Stadt ausübte. Mit Berufung auf seine Freundschaft, die er „alle Zeit sehr wert gehalten habe", bittet Jablonskv ihn um Schutz der Liffaer Reformierten Fegen die Uebergriffe seitens des Obersten von Grabau, den Lehmann nach Liffa gesandt hatte Er hebt auch hervor, daß die „reformierte Religion der Judenschaft