Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 37 (sequence 5)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 37 die Intelligenz hassen — nun das Kloster in seinen Besitz gebracht hat. Bei dieser rabulistischen Exegese haben die Herrschaften aber nur ihre große Unwissenheit auf geschichtlichem Gebiete wieder einmal an den Tag gelegt. Denn erstens ist das ..Vaticinmm Lelminense“ dem Hohenzollernhause entschieden feindlich gesinnt und alle Prophezeiungen auf das Schicksal desselben find Gott sei Dank! nicht eingetroffen! Ferner aber sind alle Forscher, die die Unechtheit der Schrift oder vielmehr die Fälschung nachgewiesen haben, geborene Protestanten, wie Hilgenfeld, Campers, Pröhle, Sabell u. a» Damit fällt das ganze antisemitische Kartenhaus zusammen." Der „Welt am Montag" wird aus Königsberg i. Pr. berichtet: „Strenggläubige Juden dürfen am Sonnabend nur im geschlossenen Raum etwas tragen. Die Königsberger frommen Juden legten sich die Sachen so aus: Die Festung ist ein geschlossener Raum, also dürfen unsere Kinder am Sonnabend die Mappen zur Schule tragen. Daher große Verlegenheit, als kürzlich ein Teil der Mauer fiel, um eine Straße nach einer außenliegenden Villenkolonie anzulegen. Man wandte sich an den kommandierenden General, der die Mauer wieder schließen lassen sollte. Vergebens! Dann an den Kriegsminister und das hatte Erfolg. Die Mauer wurde zwar nicht wieder aufgebaut, aber man hat die Lücke durch einen Draht geschlossen und dadurch sind die frommen Gemüter beruhigt. Gewiß ein freundliches Entgegenkommen des Herrn Kriegsministers, der wohlwOllend einer kleinen orthodoxen Minderheit Gewährung genickt hat. Wichtiger aber, als solcher Gnadenakt wäre es, wenn er ernstich den Vorschriften und den Geist der Verfassung in der Armee Geltung zu verschaffen vermöchte und deshalb allen Angehörigen der Armee, zu welchem Glauben sie sich auch bekennen, die gleichen Rechte für gleiche Pflichten und gleiche Leistungen durchsetzen würde. Daran aber hapert es bekanntlich seit langem in der preußischen Armee." Unser hochgeschätztes Vereinsmitglied, Herr Geh. Medizinalrat, Kreisarzt Dr. 33aer, beging am 25. Dezember in voller Rüstigkeit die Feier seines siebzigsten Geburtstages. Im Namen der Stadt Berlin gratulierte Oberbürgermeister Kirschner, ferner erschienen zur Beglückwünschung Abordnungen fast sämtlicher medizinischer Vereinigungen. Die Berliner Medizinische Gesellschaft hat den Jubilar zum Ehrenmitgliede ernannt. - Magdeburg, 2. Januar. Vor einer hiesigen Strafkammer stand vor einigen Wochen der verantwortliche Redakteur der sozialdemokratischen „Volksftimme", Ritsch, unter der Anklage, vier un-