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Im deutschen Reich · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. 36

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Berlin
Date
1905-01-01
Page
36 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschen Reich. 36 schneider 1, als Hausarbeiter 1 beschäftigt. Der Gesundheitszustand war ein günstiger; erforderlichenfalls würde das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde Zu Berlin erkrankte Kolonisten aufnehmen. Zuwendungen sind der Kolonie in letzter Zeit nur in geringer Zahl gemacht worden. Erwünscht ist noch die Überlassung von gebrauchten Kleidungsstücken. Aufforderung zum Abholen wolle man richten an die Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee bei Berlin, Wörtberstraße 20. Die im verflossenen Monat stattgehabten Wahlen zur „Akademischen Lesehalle" der Berliner Universität lieferten einen Beweis dafür, daß in der hiesigen akademischen Jugend der Antisemitismus noch immer grassiert. Auf den „Verein jüdischer Studenten" fielen 205, aus die dem Antisemitismus abholde „Freie Wissenschaftliche Vereinigung" 207 Stimmen, mehr als 1000 Stimmen aber auf andere mehr oder minder antisemitisch gesinnte Studentengruppen. Da immer auf 100 Stimmen ein Vertreter für das Direktorium der Lesehalle entfällt, stehen der „Verein jüdischer Studenten" und die „Freie Wissenschaftliche Vereinigung" mit je 2, also mit 4 Mitgliedern im Direktorium der dem Antisemitismus zugeneigten zehnköpfigen Gruppe gegenüber. Der rein antisemitische „Verein Deutscher Studenten" hat zwar nur 2 seiner Mitglieder im Direktorium; die anderen Mitglieder gehören teils der nationalen Finkenschaft (2), dem akademischen Ruderbund, Evangelischen Bund, den katholischen Korporationen k. an. Die Zusammensetzung des Direktoriums ist also die gleiche, wie im vorigen Jahre. Zu der Notiz antisemitischer Blätter „Ein altehrwürdiges Kloster an Juden verkauft" bringt die „Allg. Zeitung des Judentums" folgende Richtigstellung: „Der Käufer des Klosters Lehuin, Bankier Max Abel, ist kein Jude, und soll übrigens das Besitztum nur erworben haben, um die „altehrwürdige" Ruine dem Kaiser zur freien Verfügung anzubieten". Die „Allg. Ztg. des Judentums" fügt hinzu: „In welch nichtswürdiger Weise aber die Antisemiten ihre Lügen auszubeuten verstehen, mag folgende Tatsache beweisen. In der bekannten „Lehninschen Weissagung" befindet sich der vielumstrittene Sah: „Israel wagt ein Verbrechen, das mit dem Tode gesühnt werden muß." Diese verdächtige Stelle haben konservative Zeichendeuter zurzeit auf das Jahr 1848, „das von den Juden inszeniert worden sei", angewendet. Jetzt suchen die Antisemiten die ganze Geschichte heraus, um ihr folgende Wendung zu geben: Jene Deutung habe „den Zorn Israels erregt, düs nun alles aufbot, um die Weissagungen als eine Fälschung hinzustellen" und das — so ist wohl die natürliche Folgerung aller derer, die mit dem Abg. Frölich

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