Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 21 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. Ä1 für die einzelnen Beteiligten. Wenn die politischen Schaumschläger der antisemitischen Fraktionen aus diese Weise ihre stärksten Handhabe verlieren und im Unmut über die mangelnde Fügsamkeit der Staatsleitung dabei die loyale Maske lüften und sich zu feindseligen Drohungen verleiten lassen, kann dies nur dazu dienen, die bisherige politische Ungewißheit zu beseitigen und die Luft zu reinigen. Die antisemitischen ^Mittelstandspolrtiker" werden den 13. Dezember 1904, an dem der Vertreter der Reichsregierung im deutschen Reichstage sie dringend aufforderte, das Handwerk nicht aus eine Staatshilfe zu vertrösten, die nie zu realisieren sei, im Kalender schwarz angestrichen haben. Die große Masse des deutschen Volkes wird aber wohl die Empfindung teilen, welcher unmittelbar nach der Rede des Staatssekretärs Dr. Graf von Posadowsky der nationale Abg. Patzig mit den Worten Ausdruck lieh: „Ich glaube, die Erklärungen, die wir eben gehört haben, haben eine große, allgemeine Bedeutung." In der Rede des Staatssekretärs war aber auch vieles enthalten, was gerade aus den Teil der deutschen Bevölkerung, der nie auf Staatshilfe oder irgendwelche Protektion rechnen durfte, sondern stets weit mehr als alle andern Kreise aus seine eigene Tatkraft angewiesen war, erfrischend einwirken mußte. Hat sich doch schon früher der deutsche Jude sagen müssen: „Es muß jeder auch die Kraft haben, für seine Zukunft zu sorgen; er muß selbst den Spartrieb haben, seine Zukunft zu sichern, und auch das Risiko seines Geschäfts übernehmen. Wenn wir durch Staatsfürsorge dieses Risiko abschwächen oder vollkommen aus der Welt schaffen und aus die Gesamtheit abwälzen, so würden wir unserem Volke die wichtigste Wurzel seiner Kraft rauben. . . . Ich habe gesagt, daß unter den modernen industriellen Verhältnissen gewissen Teilen des Handwerks es immer schwieriger wird, mit dem Großbetrieb zu konkurrieren, und daß man dre Hilfe des Handwerks nicht in einer alten, fast mittelalterlichen Gesetzgebung suchen, sondern die kaufmännischen und gewerbetreibenden Kenntnisse vertiefen solle." Eine solche heilmme Vertiefung haben die gewerbetreibenden deutschen Juden immer erstrebt; ihr verdanken sie auch im Handwerk ihre besten Erfolge, nicht, wie es die antisemitischen Volksaufwiegler ihrm Zuhörern vorschwatzen, einem besonderen Talent für geschickte Reklame. Zu düsen Erfolgen hat aber auch nicht wenig ihr Verständnis dafür geholfen, was Graf Posadowsky als vorzüglich geschulter Wirtschaftspolitiker am 13. Dezbr. in seiner großen Rede als den bedeutendsten Kulturfortschritt bererckmete: die Ustoriation des Kapitals. Der fünf*