Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Die erste Central-Vereinsversammlung in München
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316729-2334393--13310-2334474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die tafle l?et111aI*Bei"eiii*Buetjaütmluirg in Äiuncheu. 19 Denkenden das Programm des E entral-Vereins und seine Wirksamkeit als segenbringend angesehen werde. Nicht nur die Art und Weise des Vortrages der beiden Herren, sondern auch die Krafr und Wahrheit der vorgetragenen Gedanken und das Ueberzeugende der gegebenen Beispiele weckten unter den Zuhörern einen mächtigen Beifall. Daß die Ziele des Central- Vereins auch in Bayern, wo die Verhältnisse für die Juden in vieler Beziehung ganz anders als im Norden Deutschlands sind, begrüßens- und fördernswert erscheinen, wurde durch den folgenden Redner, Herrn Rechtsanwalt Dr. Holländer in München, nachgewiesen. Auf Grund seiner durch längere Erfahrung in der Bekämpfung der antisemitischen Bewegung in Bayern gesammelten Praxis zeigte er, wie auch dort, wenn auch in ganz anderer Richtung wie im übrigen Deutschland, der Antisemitismus sich gefahrdrohend auewachfe. Es fei deshalb die Pflicht auch der bayerischen Juden, die Central-Vereins-Bewegung als eine Bewegung für Ehre und Recht mit allen Mitteln zu unterstützen. Dies könne man um so leichter, als nach einer Erklärung des Herrn Rechtsanwalts I)r. Horwitz der Central-Verein auch in Zukunft gewillt ist, mit Rücklicht auf die gegebenen Verhältnisse in bäuerischen Angelegenheiten nichts zu unternehmen, ohne mit den berufenen Persönlichkeiten in Bayern Fühlung genommen zu haben. Mit einem Schlußwort des Herrn Rabbiners Dr. Werner war die Zahl der Offiziellen Reden erfchöpft, und in der nun folgenden Pause zeichneten sich über 170 neue Mitglieder sofort in die Listen ein. Die Diskussion, in die vergeblich eine Zionistendebatte hineinzutragen versucht wurde, gab Herrn Rechtsanwalt Du. Horwitz nochmals Gelegenheit, in seinem Schlußwort die Grundsätze des Central- Vereins zu erläutern und zu betonen, daß wir deutsche Juden deutsch bis auf die Knochen sind, und gerade deshalb unser Recht mit allen zulässigen Mitteln nicht nur verteidigen wollen, sondern auch müssen. Diese mit stürmischen Beifall ausgenommenen Aeußerungen bildeten den Schluß des Abends. Daß er nicht vergebens war, zeigt auch der Umstand, daß in den Kreisen der Münchener Mitglieder beabsichtigt ist, in Zukunft ab und zu größere und kleinere Versammlungen abzuhalten, nicht nur um weitere Klarheit über die Ziele des Central-Vereins zu schassen, sondern auch an der Verwirklichung dieser Ziele nach Kräften milzuarbeiten. L. H.