Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Die erste Central-Vereinsversammlung in München
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
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JS Im deutschen Reich. chen gereiften Vorstandsmitgliedern, den Herren Rechtsanwälten Dr. Horwitz und Sonnenfeld, für ihre Anwesenheit. Der Vorschlag, Herrn JustiZraL Ofner zum Vorsitzenden der Versammlung zu wählen, fand einmütigen Beifall. In das Thema des Abends „Wege und Ziele des Central-Vereins" hatten sich die Herren ö)r. Horwitz und Sonnenfeld in der Weise geteilt, daß letzterer, indem er den wissenschaftlichen Antisemitismus zum Ausgangspunkt seiner Betrachtungen machte, den Nachweis führte, daß der ethische und der Wahrheitsgehalt der jüdischen Religion zum mindesten gleichwertig dem aller anderen Religionen ist. An der Hand der neueren und neuesten Literatur wies er nach, daß jeder Versuch des wissenschaftlichen Antisemitismus, die jüdische Religion herabzusetzen, Zerschellen muß, und daß die wahre Wissenschaft nur die alte Erkenntnis bestärken und bekräftigen kann, daß die jüdische Religion nicht nur an Alter, sondern auch an Wahrheitsgehalt und ethischer Vollwertigkeit an der Spitze aller herrschenden Religionen steht. Somit müsse man der Ueberzeugung leben, daß Zum mindesten die Grundlage des Judentums, nämlich die Religion, keinerlei Angrissspunkte für den wahren Freund der Wissenschaft biete, und daß der wissenschaftliche Antisemitismus wegen seiner inneren Unwahrhastigkeit und seiner großen Gefahren für den reinen Monotheismus aus das Schärfste bekämpft werden müsse. Diesem Ziele diene durch seine Veröffentlichungen und seine ausklärende Tätigkeit der Central-Vereim Der Vorsitzende des Eentral-Vereins, Herr Rechtsanwalt 1)r. Horwitz, führte die mit großem Interesse von der Versammlung angehörten Ausführungen des Rechtsanwalts Sonnenfeld weiter, indem er, sich dem praktischen Antisemitismus zuwendend, die im Leben besonders erhobenen Vorwürfe gegen die Juden scharf charakterisierte und den Beweis lieferte, daß sie ebenso wie der „wissenschaftliche Antisemitismus" für den ehrlichen Beobachter der Begründung entbehrten. An drastischen Beispielen wies er nach, wie nicht nur Private, sondern auch Behörden die Juden mit zweierlei Maß messen, und erläuterte seinen Hörern, wie es der Central-Verein verstanden hat, in diesen Dingen zwar noch keinen völligen Wandel zu schaffen, wohl aber vieles zu bessern und durch die lauten Rufe nach Recht und die Veröffentlichung des Unrechtes das allgemeine Gewissen zu schärfen. Damit sei der Central-Verein nicht nur ein Segen für die Juden geworden, sondern auch für die gesamte Menschheit, indem er der Gerechtigkeit zu dienen suche. Es müsse deshalb von allen billig