Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Juden in Rio Grande do Sul
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 16 (sequence 3)
- Language
- German
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16 Im deutschen Reich. schaluppen von Bord gebracht. Auf den vom Gepäck gebildeten Hügeln bildeten sie malerische Gruppen, was einen interessanten, aber zugleich auch traurigen Anblick gewährte. Man sah unter ihnen die Typen der elenden Mujcks der russischen Stippen; alte vom eisigen Hauche des Schnees verdorrte Männer, durch harte Arbeit gekräfügte Frauen, junge Mädchen mit unruhigem Blick und von Scham geröteten Wangen, kleine Kinder, die in schmutzige Tücher gehüllt, an der Mutterbrust saugten. — Einige alte Kisten, Fässer und Bündel waren das ganze Gepäck der Unglücklichen. Deutlich war zu erkennen, daß sie bei der Flucht nur Zeit gehabt hatten, die Lappen mit sich zu führen, welche ihnen aus der Ueberfahrt als Bedeckung dienten. Einige junge Mädchen hatten alte Kleider angelegt, welche eine gewisse Zierlichkeit in der Arbeit erkennen ließen. Es waren sicherlich die Gewänder, die sie bei den Festlichkeiten des ihnen nun für immer entschwundenen Heimatdorses geschmückt hatten. Als eine der Schaluppen anlegen wollte, richtete ein hier ansässiger Russe vom Rande des Kais aus das Wort an die Ankömmlinge. Mit einer automatischen Bewegung wandten sich alle Köpfe ihm zu. Einer der Einwanderer, welcher hochaufgerichtet neben einem Haufen Gepäck stand, antwortete im Namen seiner Gefährten. Es war ein schöner Typ eines gereiften Mannes, mit gerötetem, schon von weißen Fäden durchzogenen Bart, hoher Stirn und energischem, klarem Blick. Die Unterhaltung vom Kai zum Fahrzeuge hinüber kam bald in Fluß, und alle lauschten begierig den Worten ihres Landemannes. Die einzelnen Gruppen belebten sich, die Frauen lächelten, man warf sich Bemerkungen zu und flüsterte dem Gefährten, welcher als Wortführer diente, Fragen ins Ohr. Da aber das Dampsboot sich entfernte, um an einer anderen Stelle anzulegen, wurde der Unterhaltung ein Ende gesetzt. Es erfolgte nun die Ausschiffung; über ein Brett hinweg kamen die Einwanderer ans Land. Einige führten die Kinder, andere hielten Gepäckstücke umschlungen. Die Kinder überschritten das Brett im Laufen unter Schreien und Lachen. Die älteren Seute riesen einer dem anderen zu und erbaten Hilfe, um ihr Gepäck herüberzuschaffen. Es entstand ein fröhlicher Lärm, an dem die Unbeschäftigten, welche sich längs des Kais angesammelt hatten, teilnabmen. Dies war der zweite Transport Israeliten, der hierher gekommen ist; die Zeitungen berichten, daß soeben ein dritter angelangt rst. — — Mögen sie kommen zu tausenden, zu hrrn^erttausenden, diese Fremdlinge, welche mit der Kraft ihrer Arme und der Fruchtbarkeit