Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Der Staat als Seelenverkäufer
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 14 (sequence 4)
- Language
- German
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14 Im deutschen ffidd). Handeln ausgeschlossen ist, wird zertreten; den anderen, der ein Stück Heuchelei aus sich nimmt, der sich mit einer Lüge belastet, um einen Vorteil zu ergattern, verleibt sich der Staat ein. Welchen' Gewinn kann er aus solchem Zuwachs ziehen? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! Der Staat aber setzt solchergestalt eine Prämie auf die Gesinnungslosigkeit und die Lüge, und macht sich, indem er das unterstützt, direkt zum Mitschuldigen. Und dann gehören diese Gesinnungslosen dem Verwaltungskörper an. Siebeweisen offensichtlich, daß nicht Wissen und Können, nicht Charakterfestigkeit und Ehrenhaftigkeit, sondern geschmeidige Gesinnungslosigkeit zu Amt und Würden hilft. Ein prächnges Beispiel für alle, denen es nur um Avancement zu tun ist, ein prächtiges Hilfsmittel, um das Vertrauen in die Integrität des Beamtentums in weitesten Kreisen zu stärken. Mit einem Wort: eine moralische Brunnenvergistung, die langsam, aber mit unweigerlicher Sicherheit das Volkstum infizieren muß. Haben sich die Träger der staatlichen Verantwortlichkeit niemals klar gemacht, welcher Art die Wirkungen sind, die sie aus solche Weise auslösen? Ist nicht dies ganze Verfahren, das wertvolle Volkselemente erbittert und abstößt oder gar vernichtet, um sich zweifelhafte anzugliedern, das der Liebedienerei aus der einen, dem Mißtrauen auf der anderen Seite Tür und Tor öffnet, ist nicht ein solches Verfahren überaus töricht und geradezu selbstmörderisch? Auf eine Linie mit Rußland möchte man nicht gestellt sein, sagten wir oben. Freilich, wir nennen uns ja einen Zivilisierten Staat. Aber wir nennen uns eben nur so. Die Mittel zum Zweck mögen nicht ganz so barbarisch scheinen, das System ist im Grunde das gleiche. Jenseits unserer Grenze heißt es „auf administrativem Wege", bei uns „auf dem Verwaltungswege". Wo ist da der Unterschied? Das eine wie das andere gehört zum Wesen eines Staates, der weder Männer' noch Ueberzeugungen ertragen kann. Henriette Fürth, Frankfurt a. M. Juden in Wo Grande do Sul. Von Antonio Salletz. gt dem „Diaria de Pernambuco“ vom 27. Nov. 1904 findet sich Üit folgender Artikel, der uns schildert, wie die armen russischen