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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 696

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Der alte Prager Judenfriedhof [Rezension]
Date
1904-12-01
Page
696 (sequence 4)
Language
German
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696 Im deutschen Reich. Edikt aus Prag vertrieb, reiste M. unter großen Opfern und schweren Anstrengungen nach Rom zu dem menschenfreundlichen Papst Pius IV., durch dessen Fürsprache tatsächlich die Auf. Hebung des Ausweisungsbefehls erwirkt wurde. — Noch größere Verdienste hat sich ein anderer Mordechai, genannt Meisel, erworben. 'Er war durch große geschäftliche Unternehmungen zu bedeutendem Reichtum gelangt und der Bankier des Hofes und der böhmischen Stände geworden. Seine Reellität wurde von allen, die mit ihm zu Lun hatten, auch von den hohen böhmischen Adligen anerkannt; der Kaiser ernannte ihn zu seinem Rate. Je angesehener die Stellung Mordechais wurde, je mehr sein Reichtum durch jene Beziehungen wuchs, umso stärker wurde in ihm das Verlangen, ein Wohltäter seiner Glaubensgenossen zu werden. Er baute zunächst eine Synagoge, die noch heute nach ihm die Meiselsynagoge heißt, dann ein israelitisches Armenhaus, eine Badeanstalt, ließ das Ghetto pflastern, übernahm die alljährliche Bekleidung der Armen und beschenkte auch noch Gotteshäuser in Polen und Palästina. Die Juden Prags ehrten ihn, indem sie ihn zum Primas ihrer Gemeinde erwählten. Als er im Alter von 73 Jahren 1601 starb, ließ sich der damalige Kaiser Rudolf bei seinem Leichenbegängnis vertreten. Das hinderte freilich letzteren nicht, Meisels Testament, durch das er seinen Neffen als Erben ein. gesetzt hatte — Kinder hinterließ er nicht — aufzuheben und sein ganzes Besitztum für die königliche Kammer einzuziehen. — Ein Zeitgenösse Mordechai Meisels war der weise R. Löwe b. Bezale.l, der „hohe Rabbi Löb", genannt. Im Kreise von 30 seiner Schüler schläft tx aus dem alten Prager Friedhof den ewigen Schlaf. Er gehört zu den hervorragendsten Talmudisten;*) was sein Name für das jüdische Schrifttum bedeutet, zeigt das Urteil der späteren Gelehrten, die ihn „unfern großen Lehrer", „das Wunder der Zeit" u. s. w. nennen. Auch mit Mathemalik, Astronomie und Physik hat er sich ernstlich beschäftigt. — Der hervorragendste seiner Schüler war David Gans. Er zählt zu den großen Geistern, die über den Rahmen der rabbinischen *) In der Darstellung des Wirkens. Rabbi Löbs vermisse ich einen Hinweis darauf, daß L. die als Pilpul bezeichnete Methode des TalmudstudiumS, welche auf eine dialektische, spitzfindig grübelnde Behandlung der halachischen Fragen hinführte, eifrig bekämpft hat. Diese Stellungnahme ist für Löb, der?in klarer und besonnener Denker war und auch physikalische und optische Studien trieb, charakteristisch. Dagegen wäre, wie mir scheint, in der Wiedergabe der Erzählungen, in denen er — wohl unbegründet — als eifriger Kabbalist gezeichnet wird, eine Kürzung angebracht gewesen.

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