Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 687 (sequence 4)
- Language
- German
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Versinsnachrichten. 687 Ausgangspunkt der Interpellation in jüdischen Jnteressenvereinen zu finden sei. Die gegen die „Staatsbürger-Zeitung" in Bezug auf Intensität der antisemitischen Gesinnung gewiß nicht zurückftehende „Deutsche Tageszeitung" begnügt sich damit, ihren Aerger über die Interpellation durch den Ausdruck der Befürchtung zu verdecken, Graf PückLer könne durch die Interpellation' in der Anschauung bestärkt werden, eine bedeutende Persönlichkeit zu sein. Daß es nicht darauf ankommt, was Graf Pückler denkt, sondern nur darauf, an die breite Ocffentlichkeit zu bringen, wie Regierung und Parlament über tut der Reichshauptstadl zur Unehre und zum Schaden gereichendes Treiben denken, weiß das Agrarierblatt zweifellos. Bei der am 6. Dezember abgehaltenen Versammlung der Gruppe Berlin SW. des Central-Pereins herrschte ein solcher Andrang, daß der Saal des „Meßpalastes", Alexandrinenstr. 110, schon vor dem Beginn des Vortrages bis auf den letzten Platz gefüllt war und Spätergekommene sich mit einem Platz auf der Tribüne begnügen mußten. Der Vorsitzende des Gruppenvorftands, Herr Rechtsanwalt vr. M. Guttsmann eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er für das überaus zahlreiche Erscheinen der Mitglieder und Gäste dankte, und einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse der letzten Wochen warf. Hierauf behandelte, von lebhaftem Beifall begrüßt, Herr Rabbiner Pr. Weiße in einem, von warmer Empfindung durchwehten und besonders durch den edlen Freimut der Gesinnung ergreifenden Vorträge das Thema „Der Jude als Patriot", welcher auf die gesamte Zuhörerschaft eine so zündende Wirkung ausübte, daß am Schlüsse des Vortrages die stürmischen Beifallskundgebungen fast nicht enden wollten. Der Vorsitzende erklärte sodann, daß es ihm unmöglich sei, den Dankesempfindungen der Anwesenden noch irgend einen wirkungsvolleren Ausdruck zu verleihen, nachdem sie diese in spontaner Weise so lebhaft kundgegeben hätten; er begnüge sich deshalb damit, die Anwesenden zu veranlassen, den hochgeschätzten Redner durch Erheben von den Sitzen nochmals zu ehren. Nach Eröffnung der freien Aussprache nahm als Vertreter des Central-Vereins-Vorstands, Herr Sanitätsrat Dr. Wiesenthal das Wort, um anknüpfend an den Vortrag darzulegen, wie wenig berechtigt die Antisemiten seien, den Juden die diesen eigenen Vorzüge der Vaterlandsliebe und Tapferkeit abzusprechen, während sie selbst nicht den geringsten Anlaß hätten, sich dieser Eigenschaften zu rühmen. Die Antisemiten suchten sich gefliffentlich den Denkmantel des Patriotismus umzuhängen. Sie eröffneten und schlöffen ihre Versammlungen mit einem Kaiserhoch, aber in den Versammlungsreden und in der Preffe