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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 684

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
[Ohne Titel]
Date
1904-12-01
Page
684 (sequence 1)
Language
German
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«84 Uereiusnachrichlen. Die ordentliche Versammlung des Central-Vereins, welche am 1. Dezember in dem Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstr. 9, abgehalten wurde, war so zahlreich besucht, daß der Saal kaum die große Zahl der Erschienenen zu fassen vermochte. Nach Eröffnung der Versammlung durch Herrn Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz erhielt Herr Profeffor vr. Klein, Oberrabbiner in Stockholm, das Wort zu seinem Vortrage über: „Die jüdischen Quellen zum Vater-Unser- Gebet". Der Rröner verwies zunächst auf die vielfachen Bemühungen, die Bedeutung des Judentums für die Entstehung des Christentums herabzusetzen und den in den Evangelien enthaltenen Ausspruch: „Das Heil kommt von den Juden!" in den Satz: „Das Heil kommt von den Heiden! umzuwandeln. Der jüdische Hintergrund des Christentums sei aber unaustilgbar; denn die indischen Zutaten dieser Religion erweisen sich bei genauer Prüfung nur als Arabesken. Insbesondere beweise das „Vater-Unser".Gebet durch Inhalt und Form den jüdischen Ursprung so deutlich, daß die Prüfung der verschiedenen Versionen dieses Gebets und Feststellung seiner ursprünglichen Faffung weit eher zum Ziele führen würden, wenn jene Gelehrten das jüdische Schrifttum und die talmudischen Vorschriften für Gebetsformen dabei in Betracht ziehen könnten und wollten. Der Vortragende betonte die Uebereinstimmung vieler unzweifelhaft als echt anzuschenden Aussprüche des Stifters der christlichen Religion mit Aussprücken Hillels, sowie die den talmudischen Anweisungen entsprechendeSebetsform der Version des Vater-Unser-Gebets, welche sich im Evangelium Matthäus findet, die deshalb wohl der ursprünglichen Faffung am nächsten komme. Der Vortragende versuchte ferner nachzuweisen, daß die Faffung, welche im Evangelium Lukas enthalten ist, bezw. die, welche der Gnostiker Marcio« als die richtige ausgab, deshalb, weil sie den an das Kaddisch-Gebet erinnernden Eingang nicht habe, auch nicht die Form des jüdischen Sieben-Gebets aufweise, von einer späteren Strömung im Christentum beeinflußt worden sein muffe. In der Faffung des Evangeliums Matthäus beginne das Vater-Unser nach echt jüdischer Art mit der Verherrlichung des göttlichen Namens und Willens, nicht aber wie die anderen Versionen mit einer Bitte um das tägliche Brot; es enthalte in der sechsten Bitte die talmudische Abwehr der bösen Triebe und füge in der bei Lukas fehlenden Bitte

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