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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 682

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Siegfried Kohlmann
Date
1904-12-01
Page
682 (sequence 2)
Language
German
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082 Im deutschen Reich. zu lassen. Nun liehe man es sich ja gefallen, wenn gewisse Schwächen vieler Juden in gelungener, satirischer Weise dargestellt würden. Aber in fast allen Fällen übersteigt der Vortrag solcher Artisten die Grenze jeder Komik und macht die Juden im allgemeinen verächtlich und lächerlich. Ich habe regelmäßig wahrgenommen, daß jeder das Theater besuchende Jude an derartigen Vorträgen Aergernis nimmt, sich verletzt suhlt, und daß ihm dabei die Röte ins Gesicht steigt. Ich habe sogar beobachtet, daß eine jüdische Familie mitunter nach dem Schluß des Theaters mit den eigenen Worten des jüdischen Komikers von Rowdies verfolgt und gehänselt wurde. Man denke sich an einem Sonntag Abend ein überfülltes Varietstheater, in dem die Köpfe mancher Zuschauer schon von dem vorher genossenen Alkohol erhitzt sind. Nichts wird da fteudiger ausgenommen, als ein roher Witz des Komikers über die Juden. Diese Komiker sind aber in den meisten Fällen unsere eigenen Glaubensgenossen; ihnen ist die Hauptsache der Beifall; auf welch' traurige Art und Weise er gewonnen wird, ist ihnen gleichgültig. Nun denkt mancher, die Herren Humoristen schalten derartige Vorträge oft nur auf Verlangen eines christlichen Direktors ein. Dies ist aber nur selten der Fall, denn meistens sind auch die Direktoren Juden, also Komiker und Direktor unsere Glaubensgenossen. Ist es nicht traurig, daß ein solcher Jüngling, dessen Eltern möglicher Weise in Russisch. Polen töüich mißhandelt oder von dort 'vertrieben werden können, oder dessen Brüder heute noch in Galizien Zurücksetzungen und Leiden jeder Art erdulden, auf einer deutschen Bühne seine eigenen Glaubensgenossen des bischen Beifalls willen verhöhnt und in den Schmutz zieht? Ist es nicht noch bedauerlicher, wenn ein jüdischer Direktor solche Vorträge verlangt? Bei etwas Geist ließen sich doch noch ganz andere Darbietungen finden, die denselben Beifall fänden. Ich habe noch weitere Beispiele über die Verächtlichmachung des Judentums durch unsere eigenen Glaubensgenossen anzuführen. Jedermann hat wohl schon kleine Spielsachen gesehen, die den sogenannten „kleinen Cohn" vorstellen. Diese kleinen Blechfiguren, die um 50 Pfg.' bis 1,50 Mk. verkauft werden, zeigen eine mit häßlicher Fratze und krummen Beinen ausgestattete Figur, die sich' selbsttätig fortbewegt und das Aussehen eines Juden haben soll. Diese Figuren werden von Straßenhändlern in Berlin und Hamburg verkauft, größtenteils in Nürnberg fabriziert und im Engros-Verkaufe leider großenteils durch Juden vertrieben. Zur Ehre einiger wenigen jüdischen Kaufleute muß ich anführen, daß diese es grundsätzlich ein für alle mal abgelehnt haben, einen derartigen Artikel zu verkaufen, aber der größere Teil führt den Artikel, um sich den geringen Gewinn nicht entgehen

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