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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 676

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Magdeburg
Date
1904-12-01
Page
676 (sequence 3)
Language
German
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676 Im deutschen Reich. Im dritten Magdebnrgischen Wahlkreise Jerichow erhielt bei der am 6. d. M. stattgehabten Reichstagsersatzwahl der Sozialdemokrat Voigt- Grimma 5289, der freisinnige Volksparteiler Merten 4399, der Konservative v. Brauchitsch 3416, der nationalliberale von Roth 2876, der Antisemit, Rechtsanwalt Dr. Wohlfarth, aber trotz der größten Kraftanstrengungen von antisemitischer Seite nur 1605 Stimmen. Bei der allgemeinen Reichstagswahl am 16. Juni 1903 entfielen auf den Kandidaten der Deutsch-Konservativen Partei 10 430 Stimmen, aus den Kandidaten der FreistnnigenVolkspartei 6480 und auf denjenigen der Sozialdemokraten 8140 Stimmen. In der Stichwahl siegte der Konservative, Fürst Bismarck mit 14 665 Stimmen, während der sozialdemokratische Gegner 9742 Stimmen erhielt. Ohne die antisemitischen Quertreibereien wäre auch diesmal der Konservative zur Stichwahl gekommen, aber die vom Antisemitenkoller angesteckten Politiker lernen aus derartigen Erfahrungen nicht, vergessen sie vielmehr merkwürdig schnell. ± Breslau, 6. Dezember. Die „Breslauer Morgenzeitung" berichtet: „Unsere Prophezeiung, daß es zwischen den Handlungs- Gehilfen-Derbänden bei den Wahlen zum Kaufmannsgericht, die im Januar 1905 in Breslau staltfindcn, zu einem fröhlichen Kampfe kommen könne, bewahrheitet sich. Der hiesige Bezirksverein des Centralverbandes der Handlungs-Gehilfen und -Gehilfinnen ist bei der Aufstellung einer gemeinschaftlichen Vorschlagsliste auf das Treiben des Deutsch-nationalen Verbandes, Ortsgruppe Breslau, ausgeschlossen worden, weil der Crntralverband nicht auf nationalem Boden stehe. Am Bußtage hielt der Centralverband eine Versammlung ab, in der eine Resolution gefaßt wurde, daß das Vorgehen des Verbandes gegen den Centralverband als Treubruch aufzufassen sei. In dieser Versammlung waren die Handlungsgehilfen der Ansicht, daß der Grund des Ausschlusses auf antisemitische Strömungen zurückzuführen sei. Eine Versammlung des Central- Verbandcs am 27. November war von mehr als 500 Personen besucht. Herr Bergmann hielt das einleitende Referat, worauf eine mehrstündige Debatte folgte. Der Vertreter des Deutsch-nationalen Verbandes, Herr Wunge, versicherte, daß bei dem Ausschluß der Antisemitismus keine Rolle spiele. AuS der Kommission sei der Central- Verband nicht ausgeschlossen worden, denn man wolle in Fragen des AchtuhrladenschluffeS re. mit ihm Zusammengehen, nur bei den Kaufmannsgerichten könne man ihn nicht zulaffen. Der Vertreter des CentralverbandeS in der Kommission, Herr Frey, gab Aufschluß über die Vorgänge; die Liste sei schon geschloffen gewesen und die Beiträge

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