Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Magdeburg
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 675 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 675 1872 nahm ihn seine militärische Stellung vorzugsweise in Anspruch: im Jahre 1866 war er Arzt und Mitkämpfer im österreichischen Kriege, in welchem er die Schwerter zum Roten Adlerorden erhielt, und im Kriege gegen Frankreich wurde ihm das Eiserne Kreuz zuteil. Als er nach dem Kriege 1872 aus seiner militärischen Stellung schied, wurde für ihn, neben seiner ärztlichen Tätigkeit, Lebensziel, für die Wohlfahrt d:r Stadt, welche ihm eine liebe Heimat geworden und in der ihm ein schönes Familienglück erblüht war, nach Kräften mitzuwirken. — Bon der zweiten Abteilung zum Stadtverordneten gewählt, trat er am 1. Januar 1881 in das Stadtverordneten-Kollegium ein und ist hier ununterbrochen 24 Jahre lang tätig gewesen. Als Mitglied des gemischten Ausschusses für Erweiterung der Krankenanstalten und der Gesundheitskommission, des Schulausschuffes und der Schuldeputation fand er reiche Gelegenheit, für das allgemeine Wohl tätig zu sein." Daß antisemitische Redakteure die den Juden so selten gewährten Auszeichnungen einer mit antimonarchischen Phrasen gepfefferten Kritik zu unterziehen pflegen, ist nichts Neues. Neu ist es, daß eine solche Redaktion, die der „Sachsenschau", eine solche Auszeichnung zwar erst bekrittelt, aber dann doch als wohlverdient anerkennt. Die erwähnte Redaktion bemerkt zu der Verleihung des Kronenordens an den hiesigen 83 Jahr alten Herrn Jacoby sen.: „Der Dekorierte hat die Auszeichnung nicht in seiner Eigenschaft als Inhaber der Auskunftei, sondern für die gemeinnützigen Dienste erhalten, welche er der Magdeburger Kaufmannschaft, der Stadt und der Synagogengemeinde geleistet hat. Jacoby arbeitete hier mit den ersten Firmen und genoß bei diesen großes Ansehen. Ferner war er in verschiedenen städtischen Berwaltungsausschüffen als Berater tätig und bekleidete Jahrzehnte hindurch in der jüdischen Gemeinde hohe Ehrenämter. Die Anregung zu dieser Auszeichnung soll von der Kaufmannschaft und dem Vorstande der Synagogen- Gemeinde ausgegangen sein. Wir erfahren außerdem von anderer Seite, daß Jacoby zu denjenigen Juden gehört, deren Verhalten das Entstehen der antisemitischen Bewegung nicht verschuldet hat. Er hat niemals jenen brutalen Hochmut herausgekehrt, durch den viele seiner Volksgenossen den Haß aller Nationen auf sich zu ziehen verstehen. Herr Jacoby ist trotz seiner 83 Jahre noch eifrig in seinem Geschäft tätig. Wir glauben der Gerechtigkeit diese Erklärung schuldig zu sein." — Wenn die „Sachsenschau" hätte ^wirklich „gerecht" sein wollen, dann hätte sie sich auch „den brutalen Hochmut" und den i,Haß aller Nationen" schenken muffen. Das Unmögliche muß man aber auch von Antisemiten nicht verlangen!