Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Berlin / J. P.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 674 (sequence 8)
- Language
- German
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674 Im deutschen Reich. entstehen, wenn man ganz allgemein wörtlich „ihm thun wollte, wie er beabsichtigte, seinem Bruder zu thun". Wenn der Zeuge z. B. aussagt, sein Gegner sei der Sohn einer geschiedenen Frau, und dieses Zeugnis erweist sich als falsch, soll man dann vielleicht den falschen Zeugen zum Sohne einer geschiedenen Frau machen? Die Mischna, der dieses Beispiel entnommen ist, erkennt in diesem Falle auf Geißelstrafe (Macc. I, 1). Ob jemals eine leibliche Talion, wie sie der Wortlaut der angeführten Stellen zu fordern scheint, auf irgend einer Kulturstufe ausgeübt wurde, können wir nicht mehr entscheiden; von der Zeit eines jüdischen Staatslebens an, also gewiß schon vor der Entstehung der Bergpredigt, bis auf den heutigen Tag ist davon sicherlich niemals die Rede gewesen. Der populärste jüdische Bibelerklärer, Raschi, unterläßt es nicht, an jeder Bibelstelle ausdrücklich diese überlieferten Deutungen anzumerkcn, und so lernen schon die jüdischen Schulkinder keine andere Austastung des Bibelwortes kennen. Wo nicht Rechtsprechung vor Gericht, sondern „Ethik" in Frage kam, ist durch die Vorschrift: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", die, wie immer wiederholt werden muß, im Alten Testament ihre Quelle hat, vollauf Genüge geschehen". J. P. ~ Magdeburg, 10. Dezember. Die Ueberstedelung des im 80. Lebensjahre stehenden Oberstabsarztes«. D., Dr. Hermann Rosenthal, eines langjährigen, emsigen Central-Vereins-Mitgliedes, nach Italien hat die „Magdeburger Zeitung" veranlaßt, in einem ausführlichen Artikel die vielfachen Verdienste zu rühmen, die sich dieser treffliche Mann während eines 33-jährigen Aufenthalts in Magde bürg um seine Mitbürger erworben hat. In dem Artikel wird u. a. berichtet: „Er ist in Ermsleben am Harze am 18. Januar 1825 geboren, kam, nachdem er sein Studium der Medizin in Berlin absolviert hatte, nach bestandener Staatsprüfung als einjährig, freiwilliger Arzt 1849 nach Magdeburg, wo er 1850 zum Assistenzarzt befördert wurde. Recht bald erhielt er Gelegenheit, seine Tüchtigkeit in seinem Berufe zu bewähren, denn als 1850 die Cholera hier auftrat und auch von der Garnison zahlreiche Opfer forderte, wurde er zur Cholerastation des Militärlazaretts kommandiert. Seine Leistungen auf diesem Posten fanden ehrende öffentliche Anerkennung durch Parolebefehl des kommandierenden Generals. Als 1855 die Cholera wieder heftiger auftrat, wurde ihm, der sich bereits bewährt hatte, die Behandlung der Cholerakranken im Militärlazarett übertragen. In diesem Jahre wurde ihm der Rote Adlerorden 4. Klaffe verliehen. Diese ehrenden Anerkennungen förderten den jungen, erst 30 Jahre alten Assistenzarzt in seiner militärischen Laufbahn. Bis